Mr. Oizo – Lambs Anger



Quentin Dupieux ist ein Schlitzohr. Und der Franzose, der seit über 10 Jahren alias Mr. Oizo zu den Herzschrittmachern der kontemporären Elektromusik und den Lieferanten deiner liebsten Tanzfächen gehört, schlägt nun ein weiteres mal zu.

Dabei wirkt sein neuer Release – der zweite für das Label der Stunde, Ed Banger Records – zunächst recht unspektakulär. An sich ist das doch mal wieder die übliche Collage, die Soundfragmente und Beats zusammenfügt. Doch der Teufel steckt hier mal wieder im Detail. Der erste Durchgang der Platte ähnelt einer ersten Fahrt durch eine fremde Metropole. Im Taxi sitzend schaut man ungläubig dem blühenden Leben zu und den unzähligen Neon-Reklamen, die um die Aufmerksamkeit buhlen, überfordert hinterher. Hier schreit einer “Bruce Willis Is Dead” und an einer anderen Ecke trägt eine Frau lasziv ihren Sprechgesang vor. Too much.

Mit der Zeit gelingt es dann jedoch die Metropole in ihrer vollen Pracht zu erfassen und sich in die kleinen Ecken und die Leuchtreklamen zu verlieben. Lambs ist ein detailverliebtes Werk. Dies äußert sich bereits beim Coverartwork und dieser herrlichen Reminiszenz an Luis Bunuel, die man wohl Dupieux großen Affnität zur Filmkunst zuschreiben kann.

Insbesondere das famose “Stereoids” mit den Vocals der Hausinternen Künstlerin Uffe bietet wohl Remix-Material und die Clubvorlage für eine ganze Dekade ausgelassener Elektromusik. Ähnliches gilt ebenfalls für Tracks wie “Bruce Willis Is Dead” oder die fantastischen Beats von “Pourtille 7”. Fast scheint es so, als hätte dieses Album seine eigene Dramatik. Eine Kurve, die langsam steigt und kurz vor dem Ende der Platte ihren Höhepunkt erreicht. “Lambs Anger” ist Dupieux beeindruckendes Comeback und der endgültige Beweis seines Könnens. Und wehe es kommt hier noch einer und reduziert den Franzosen auf die Levi´s Werbung.
(Sebastian Jegorow)

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