Mister Lonely



Wenn ein Michael Jackson Imitator in Paris auf Marilyn Monroe trifft und mit ihr in eine Kommune in die Highlands zieht, in der u.a. der Papst, Madonna, die Queen und die drei Stooges leben, dann kann man davon ausgehen, dass der Verlauf der Geschichte schräg bleibt.

Harmony Korine, Regisseur und Autor u.a. von „Kids“ und dem 90s White-Trash Manifest „Gummo“, kennt sich aus mit den Outsidern und Tramps, den egozentrischen Lonern und liebevollen Träumern, gehört er doch irgendwie selbst dazu. „Mister Lonely“ erzählt ihre Geschichte: liebevoll, kurzweilig, nahe dem Kitsch, und doch immer auch zutiefst menschlich und zerbrechlich.

Der Film porträtiert einen namenlosen Michael Jackson Imitator (gespielt von Diego Luna), der in Paris mehr schlecht als recht seinem „Job“ nachgeht. Bei einer Veranstaltung in einem Seniorenzentrum begegnet er Marilyn Monroe (Samantha Morton), die ihn überredet, mit ihr zu ihrem Mann Charlie Chaplin (Denis Lavant) und Tochter Shirley Temple nach Schottland zu ziehen. Die illustre Kommune, der u.a. noch James Dean, Madonna und Sammy Davis Jr. beiwohnen, leben fernab gesellschaftlicher Regeln und Konventionen ihren Hippietraum, der mit einem großen gemeinsamen Aufritt vor Publikum gipfeln soll…

In einer zweiten, parallel verlaufenden Story, testen Nonnen ihren Glauben, indem sie ohne Fallschirme aus Flugzeugen, und so der Erde und ihrem Schicksal entgegenspringen. Die Sequenzen, in denen eine Nonne mit dem BMX durch den Himmel fiegt, gehören sicherlich zu den stärksten und absurdesten des ganzen Films. Ebenfalls stark: Regiemeister Werner Herzog als trinkender Priest in einer Neben-rolle. Ein Film weit entfernt von den gängigen Erzählstrukturen und flmischen Mustern, und doch bis dato Korines „zugänglichstes“ Werk, setzt auf das Leben, zeigt Hoffnung auf und endet in Selbsterkenntnis.

Nach verlorenen Jahren zwischen London, Paris und Panama, abgebrannten Häusern und einer langen Drogensucht, weiß Korine wovon er schreibt. Mittlerweile wieder clean, arbeitet er in Nashville an extrem spannenden Buchveröffentlichungen (u.a. mit Aaron Rose), einem neuen Skript, hat geheiratet, und kultivi-ert nebenher sein Image als Amerikas „most eccentric flmmaker“ („Fight Harm“). Gut, ihn wieder zurück zu wissen.
[Nicholas Hessenkamp]

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