Leopold and his Fiction – Ain’t No Surprise



Nein, Leopold and his Fiction ist kein Geschichten erzählender US-Songwriter, der Bob Dylan und Bruce Springsteen als musikalische und John Steinbeck und Jack Kerouac als literarische Einflüsse nennt. Hinter dem wunderlichen Namen – der an den amerikanischen Umweltaktivisten Aldo Leopold erinnern soll – verstecken sich Daniel James (Gesang, Gitarre), Micayla Grace (Bass, Backgroundgesang) und Jon Sortland (Schlagzeug, Orgel, Backgroundgesang). Zumindest ist das aktuell so.

Auf der zweiten – in diesen Tagen in den USA erscheinenden – Platte, “Ain’t No Surprise“, wird Leopold-Kopf Daniel James noch (ausschließlich) von Ben Cook (Schlagzeug, Wurlitzer) unterstützt. Diese Duo-Zusammenstellung ruft sogleich Assoziationen zu ähnlichen – und mittlerweile sehr erfolgreichen – Konzepten des Genres hervor, denen ich etwas später allerdings eine kleine Absage erteilen möchte. Leopold and his Fiction haben den Wurf ins weiß gestreifte Lauwarmbecken nicht verdient.

Getragen werden viele Nummern auf “Ain’t No Surprise“ zwar vom stimmigen Gespann Rock’n’Roll-Gitarre/Garagen-Drums, aber trotzdem kann man Leopold and his Fiction niemals plumpe Dampfmeierei unterstellen. Ruhige und nachdenkliche Verschnaufpausen – “Pretty Neat“ und das großartige “Tiger Lily“ müssen in diesem Zusammenhang unbedingt erwähnt werden – hält das Album ebenso parat wie fantastische Van Morrison/Them-Momente (z. B. “Broke“) und 60’s-Verve der Marke frühe Stones/Small Faces (“Come Back (Now That I’m Here)“, “Mean Ol‘ Train“). Dreckige Gitarrenverzerrungen und scheinbar hingerotzte Riffs machen den Zweitling der Amerikaner zu einer feinsinnigen Verweigerung, die Klasse der Songs lässt sich aber auch durch eine gute Portion Schludrigkeit nicht verbergen.

Im Lauf von “Ain’t No Surprise“ trifft der Hippievibe von San Francisco (übrigens die Heimstätte von Leopold and his Fiction) auf die abgeklärte Lässigkeit von Austin und Nashville und Detroit-Rock-City ist ebenfalls mit von der Partie. Das kalifornische Duo (bzw. Trio) ist weitaus melodiöser als die Black Keys, nicht so elendig prätentiös wie die White Stripes und in ihrem völlig ergebnisoffenen Schaffen stets am Song und den durchweg im Fokus stehenden Emotionsgeschichten interessiert – eine coole Pose spielt dankenswerterweise nicht die geringste Rolle. Garagen-Rock heiratet – selbstverständlich in 70’s Klamotten – verschrobenen Songwriter-Duktus. Leopold and his Fiction: Unbedingt reinhören und bloß nicht ins Fußballstadion verschleppen! 2009 fängt schon mal sehr vielversprechend an.
[Sascha Knapek]

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