Bruce Springsteen – Working On A Dream



Das achtminütige Epos ”Outlaw Pete” eröffnet Bruce Springsteens 24. Album. Es ist nicht nur das längste, sondern auch das eindrucksvollste Lied der neuen Springsteen-Songsammlung. “Working On A Dream“ heißt das gute Stücke und schon am pathetischen Titel merkt gleich jeder Einsiedler, der Bruce ist ein Ami. Bei der Amtseinführung von Barack Obama fehlte der „Boss“ natürlich genauso wenig, wie im vorangegangenen Wahlkampf. George W. macht jetzt also endlich Endlosurlaub im verstaubten Texas und zur Feier des Obama-Tages haut Springsteen gleich noch eine neue Platte raus. Mit “What Love Can Do“, das der 59-jährige als „love in times of Bush“ beschreibt, und anderen Stücken gibt es allerdings auch auf “Working On A Dream“ genug, was uns an W. erinnert.

Zusammen mit Brendan O’Brien (u. a. Pearl Jam, Bob Dylan) und der E Street Band ging es direkt von der Bühne ins Studio und herausgekommen sind 13 Tracks, die die stilistische Vielfalt des Mannes aus New Jersey nicht besser hätten aufbereiten können. Nörgler werden sagen, dass “Working On A Dream“ durchwachsen ist. Richtig ist allerdings, dass “Working On A Dream“ einfach nur für jeden Springsteen-Geschmack etwas zu bieten hat. Dieser Kerl ist wandelbar und genau das beweist sein neues Album. Der Weg von einer weihnachtlichen Schmonzette wie “This Life“ zum Blues-Rocker “Good Eye“ mag weit erscheinen, Springsteen setzt die Songs direkt hintereinander und beschwört damit spielerisch die eigenen Gegensätze herauf.

Im Lauf seiner 35 Jahre im Musikgeschäft hat Bruce Springsteen viele Eisen angefasst, in “Working On A Dream“ schweißt er sie jetzt alle zusammen. Ob Country-Gospel (“Tomorrow Never Knows“), Pathos-Hymne (der Titeltrack “Working On A Dream“), eine atmosphärische Trademark-Ballade (“Life Itself“), purer Rock’n’Roll (“My Lucky Day“, ”What Love Can Do”), wunderlicher Pop (”Queen Of The Supermarket”, ”Kingdom Of Days”, ”Surprise, Surprise”) oder die nachhaltigen Gänsehautmomente (der für den gleichnamigen Mickey Rourke-Streifen geschriebene Bonus-Track ”The Wrestler” und ”Outlaw Pete)”, der „Boss“ fährt alles auf, was er anzubieten hat. Das wird nicht jedem gefallen, aber irgendwo ist im Sammelsurium ganz sicher was für jede Fasson dabei.

Springsteen zelebriert sein neues Album nicht nur mithilfe der Amtseinführung von Obama, ein neues Greatest Hits-Album steht an, die Oscars warten und beim amerikanischen Heiligtum, dem 43. Super Bowl, darf der „Boss“ in der Halbzeitpause ganze 12 Minuten ran und neue Songs mit alten Gassenhauern mischen – live kann man das übrigens in der Nacht auf den 2. Februar in der ARD bewundern. Das große Marketing-Ross läuft, aber wenigstens ist “Working On A Dream“ das auch wert. Ohne Ausfälle kommt der Longplayer zwar nicht aus, trotzdem ist es eines der besseren Springsteen-Alben des neuen Jahrtausends.

[Sascha Knapek]

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