Garda – Die, Technique, Die!



Der erste Longplayer des Garda Kollektivs aus Dresden heißt „Die, Technique, Die!“ und mag so gar nicht nach Widerstand oder Hass klingen. Es wirkt zunächst so unscheinbar wie ein Schlumpf-Pups. So neigt man dazu den ersten Song völlig zu überhören und sich gelangweilt durch die Platte zu skippen. Doch warte erst wie die Geschichte weitergeht..

Mit jedem Schwung, den der Silberling im CD Player nimmt, wächst nämlich die Zuversicht es hier mit einer guten Platte zu tun zu haben. Und plötzlich nimmt der Rezipient immer mehr Schönheit wahr, mit deren Erkundung man vermutlich ein 83jähriges Leben in einer einsamen Waldhütte füllen könnte. Kleine Klaviereinsätze, Cello, unerwartete Akkordwechsel, die für Glücksgefühle sorgen, das Rascheln einer Tüte oder das schlichte Atmen des Sängers, das man gelegentlich zwischen den Zeilen heraushören kann. Alles unprätentiös, reduziert und gerade deswegen bewegend insziniert. So empfindet der Hörer beispielsweise den Zwang „My Heart Is Empty“ mindestens fünf mal in Folge zu hören, ehe man die wundervolle Gitarrenlinie und ihre Rythmusbegleitung loslassen kann.

Sänger Kai Lehmann erinnert mit seinem leicht weinerlichen Gesang voller Dringlichkeit an Conor Oberst, ohne jedoch – wie das Original früher – über das Ziel hinauszuschiessen. Hin und wieder werden die Songs so langsam vorgetragen, dass Garda fast schon an die Slowmotion-Könige Savoy Grand erinnern. Da fällt man dann direkt von der Bank, wenn „Yeah, Keep It Up And Dance“ schnellere Töne anschlägt. Am Ende des Albums bleibt einem nichts anderes übrig als einmal zu seufzen, den Repeat-Knopf zu suchen und sich noch einmal „This City Is Ours“, „Ghosts“, „Yeah, Keep It Up And Dance“ und den anderen Hits, die so gar nicht Hits sein wollen, hingeben.

„Die, Technique, Die!“ ist ein leiser und hinterhältiger Angriff. Eine überraschende Invasion des Herzens. Quiet is the new loud, wußten wir´s doch.
[Sebastian Jegorow]


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0 Gedanken zu “Garda – Die, Technique, Die!

  • Matthias Schäfer

    Nachdem ich mich zunächst extrem auf diese Veröffentlichung gefreut habe, enttäuschte mich das Album. Zu leise wirkte es für mich. Nun – nach einigen Durchgängen – kann ich das positive Urteil unterschreiben. Gänsehaut!!