Wolke 9 / Young at Heart



Mit „Wolke 9“ und „Young @ Heart“ stellen momentan gleich zwei Filme in den deutschen Kinos ältere Menschen und die Erfahrung des Alterns in den Fokus. Ähnlich wie Simone de Beauvoir in ihrer Arbeit „Das Alter“ sagen sie dem dummen Klischee von grauhaarigen Langweilern, denen man das Recht auf ein Privatleben abspricht, den Kampf an.

In dem neuen Film des deutschen Regisseurs Andreas Dresen. Hier geht es um frische Liebesgefühle im Alter und eben auch um den Sex. Dass der Film deutlich mehr bietet, als eine Fetischbefriedigung für Freunde älterer Semester, ist bereits bei der Berücksichtung des Regisseurs klar. Andreas Dresen, der insbesondere mit dem grandiosen Film „Halbe Treppe“ glänzte und vor zwei Jahren mit „Sommer vorm Balkon“ einen kleinen Kinohit landete, ist bekannt für seine Portraits echter Menschen. Ohne Rücksicht auf ästhetische Vorgaben des großen Blockbusterkinos glänzten seine bisherigen Arbeiten stets mit kleinen Geschichten voller besonderer Momente und erinnerten damit häufig an die Filme Ulrich Seidels („Hundstage“, „Tierische Liebe“) oder „Böse Zellen“. Natürlich ist er der richtige Regisseur um das Thema mit viel Geschick anzufassen und den Film nicht mit sentimentalem Unfug oder einer überdosis Sex zu versauern. Und auch wenn „Wolke 9“ nicht an den Charme der vorherigen Dresen-Filme heran reicht, so ist es allemal ein sehehswerter Film.

Young at Heart

Seit einigen Jahren ist der Young @ Heart Chorus auf den Weltbühnen zuhause, wo die gealterten Amerikaner Rockklassiker vortragen. Der Kultstatus der Seniorenband wird in unserem Lande im Anschluß an den deutschen Kinostart vermutlich deutlich steigen. Die populär ausgerichtete Dokumentation ist dabei kein filmisches Meisterwerk. Stephen Walker begleitete den Chor über mehrere Monate während der Vorbereitungen für eine neue Tournee. Durch die tragische Entwicklung der Ereignisse und den Charme der Senioren entwickelt sich der Konsum des Films zu einem bewegenden Erlebnis. Rührende Geschichten und amüsante Momente wechseln sich dabei mit den ungewöhnlichen Interpretationen großer Pop- und Rockhits von Sonic Youth oder Coldplay ab. Und die Seniorencombo schafft es im besten „Little Miss Sunshine“ Stil die Herzen der Zuschauer für sich zu gewinnen und vielleicht doch zumindest etwas zum Nachdenken zu bewegen.

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