Travis – Ode To J. Smith 1



Beim Opener des neuen Travis Albums “Ode To J. Smith“ muss man schon drei- oder viermal hinhören, um sicher zu gehen, wer da singt. “Chinese Blues“ heißt die Nummer und Frontmann Fran Healy gibt sich nur rudimentär zu erkennen. Da scheint jemand inkognito unterwegs zu sein und sich vor sich selbst zu verstecken. Insgesamt enthält die neue Travis-Scheibe elf Tracks, die mehr oder weniger in diese Richtung gehen – einige hören sich zwar nach frühen Großtaten an, Healy macht uns aber nur noch selten den “The Man Who“-Barden. Es dominiert eine Stimmung, die man von Travis in dieser Art und Weise vorher noch nicht kannte. Es gibt schlechtere Ansätze als etwas frischen Wind.

Dass die Herren Payle, Healy, Primrose und Dunlop atmosphärisch dichte Songs schreiben können, steht außer Frage. Der auf “Ode To J. Smith“ mitunter geglückte Spagat zwischen dunkler Umgebung und kindlicher Leichtigkeit, wird bereits auf dem an Roald Dahl angelehnten CD-Cover und dem Innenleben des Booklets angedeutet. Neontöne wechseln sich mit Schwarz ab, eine bildliche Metapher für die enthaltenen Stücke. Der Puls von Travis schlägt auf ihrem sechsten Studioalbum irgendwo zwischen Healys Nachdenklichkeit und der live erprobten Glückseligkeit – man testete “Ode To J. Smith“ vorher auf der Bühne – einer Band, die nach dürren Jahren die Freude wiederentdeckt und den verkopften Tunnel hinter sich lässt.

“Ode To J. Smith” kann leider wieder nicht an diesen verregneten und trotzdem leichtfüßigen Sound anknüpfen, den der schottische Vierer Ende der 90er im Schlaf beherrschte. Immerhin sorgen die elf neuen Songs aber dafür, dass der aktuellen Travis-LP zu Recht mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden wird, als den beiden direkten Vorgängern. Ein durchaus gutes Album ist “Ode To J. Smith“ unterm Strich ja, nur haben sich Travis die überlebensgroßen Vergleiche mit “The Man Who“ selbst eingebrockt. So etwas wird man schwer wieder los.

[Sascha Knapek]


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Ein Gedanke zu “Travis – Ode To J. Smith

  • Whykiki

    Ich kann mich deiner Meinung nur anschliessen, ich habe selber eben einen Bericht über das neue Album „odet To J Smith“ verfasst und muss ebenfalls sagen, dass die „Leichtfüssigkeit“ verloren gegangen ist. Die band klingt jetzt rauer, wahrscheinlich aber auch, weil sie die neue Platte ja quasi in Rekordzeit fertig gestellt haben. Diesmal eher eine „Session-Platte“.

    Aber auch hier ist es, wie bei allen anderen Travis Platten: mit jedem Hören wird sie irgendwie besser.

    Gruss Whykiki / Musiktipps24.com