PeterLicht – Melancholie und Gesellschaft 2



Deine Liebe zeigt sich von einer neuen Seite? Verändert sich? Sie hat ein neues Hobby? Da stimmt etwas nicht. Meistens willst du sie doch so wie du sie früher wolltest. Du jagst der Person hinterher, die du jagtest, als du sie jagtest. Nun jagst du nicht mehr. Du hast gejagt und nun ruhst du dich auf deinen Lorbeeren aus. Begutachtest deinen Schatz ab und an und steckst ihn dir im Miniformat in deine Geldbörse. Und das ist langweilig.

Und wenn sie es jetzt auch noch wagt sich zu verändern, dann ist das zudem nicht gut. Nein, du armer Trottel. Das ist der Anfang vom Ende. Anfang – Ende. Ende. Du siehst euch schon in der Talkshow. Du und sie – ehemals ihr – bei Britt oder anderswo. “Wir haben uns auseinandergelebt” – diese widerliche Mißgeburt der deutschen Sprache – sagt ihr wie auswendig gelernt lippensynchron auf. Die Kellnerin stellt die Stühle auf den Tresen und dimmt das Licht.

Sorry für den assoziativen Amoklauf. Passte jedoch, denn es soll hier ja um das neue PeterLicht-Album gehen, das den Künstler von einer neuen Seite zeigt und in eine melancholische Trennungsangst getränkt ist. Weiter entfernt vom intelligenten Kalauer, hin zur kontrollierten Melancholie. Dies trägt PeterLicht wie immer liebenswert und mit mehr als nur einem Augenzwinkern vor. Nachdem es zuletzt danach aussah, als würde Peterlicht sein Erfolgsrezept in die eigene Fabrik geben und mal um mal in Buch oder CD-Form verfielfältigen, kommt nun der kleine erhoffte Bruch. Der ernste Ton, den er auf “Lieder vom Ende des Kapitalismus” zumindest in Ansätzen anstimmte, macht hier die Melodie. Die Texte sind mal wieder eine Weide, auf der man nach den unzähligen tollen Textstellen wie nach Ostereiern suchen kann. Hier und da wünscht man sich auf seinem neuen Longplayer mehr musikalische Ecken und Kanten.

So wirkt insbesondere das ganz gut gemeinte “Alles was du siehst gehört dir” viel zu glatt und auswechselbar. Einen Song später macht er dafür wieder alles richtig. “Marketing” ist eines der großen Highlights dieser Platte. Hier ist PeterLicht der Popzauberer und Wortkünstler, den man im Laufe der vegangenen Jahre so sehr in´s Herz geschlossen hat. Intakt, Aus dem Takt heraus ragend. Herausragend.

“Und der Pornomann im Fernsehen zeigt den kleinen seine Wolle” singt er. Und vom “an der
Vergangenheit lutschen wie an einem Leckstein” Yesyesyes! Auch sonst überwiegt der Eindruck, dass der Musiker die Melancholie nicht gegen seine Stärken eintauschte, es dafür schafft seine Wortakrobatik in die Grundstimmung der Platte zu tauchen. Die Grundstimmung einer tollen Platte, definitiv.
[Sebastian Jegorow]


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2 Gedanken zu “PeterLicht – Melancholie und Gesellschaft

  • Rici

    das lied „Alles was du siehst gehört dir“ läuft hier schon ne weile auf dem radiosender FM4. das lied finde ich einfach sehr genial und eigentlich schon ein kaufgrund für die platte.
    von den anderen liedern hab ich bisher nur die kurzen 30 sekunden hörproben bei itunes gehört, aber die haben mir soweit auch echt gut gefallen.
    vom alten album kannte ich eigentlich mehr oder weniger nur sonnendeck und safarinachmittag, aber spontan würde ich sagen dass mir das neue album besser gefällt musikalisch. von den texten kann ich noch nicht so viel dazu sagen.