My Morning Jacket – Evil Urges



My Morning Jackets fünftes Studioalbum “Evil Urges” war für mich eine der meisterwarteten Platten des gesamten Jahres. Für Anfang Juni war sie angesetzt und die Lust auf den “It Still Moves“ und “Z“-Nachfolger riesengroß.

Aber wie es bei überschwänglicher Vorfreude leider allzu oft passiert: Ist der Moment des herbeigesehnten Ereignisses erst mal da, steht eine bleierne Ernüchterung bereits Gewehr bei Fuß. Unglücklicherweise war es auch bei “Evil Urges“ wieder Zeit hochgesteckte Erwartungen durch die Realität eines wenig spannenden und teilweise sogar ziemlich verstörenden Albums zu ersetzen.

Ungewohntes Terrain betreten die Mannen aus Kentucky mit “Evil Urges“. An sich nichts Schlechtes, nur leider ist der Sprung hin zum glitzernden Prince-Funk-Rock und glaszersplitternden Gesangseinlagen von Frontmann Jim James, ein Satz ins witzlose Niemandsland. Den Titeltrack mag man sich nach diversen Durchgängen noch „schöntrinken“ können (wobei die Vocals schon nerven, wenn man weiß zu was James in der Vergangenheit fähig war), Nummern wie das debile “Highly Suspicious“, die Schmachtfetzen “Thank You Too“ und “Look At You“ oder der viel zu verspielte Achtminutenausfall “Touch Me I’m Going To Scream Pt. 2“ funktionieren zu keinem Zeitpunkt und gehen einem einfach nur auf den Geist.

Natürlich ist auf der Platte nicht alles schlecht, schließlich ist sie von My Morning Jacket, eine der besten und im guten Sinn größten Bands unserer Tage. Immer wenn geradlinig gerockt wird (“I’m Amazed“, “Aluminum Park“, “Remnants“) weiß man warum das Quintett eigentlich so großartig ist. Diese Momente retten neben einem Countrytupfer (“Sec Walkin’“) und einer Searchers-Gedächtnisnummer (“Librarian“), ein Album, das einem Totalverweigerer streckenweise erschreckend nah kommt. Beim nächsten Mal gibt’s hoffentlich weniger funkende Oktavenreiterei und wieder mehr rockenden My Morning Jacket-Hall!
[Sascha Knapek]
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