Metallica – Death Magnetic



So viele Metal-Alben haben wir an dieser Stelle noch nicht besprochen. Die vordergründig härteste aller Musikrichtungen ist kein Gebiet, das uns nahe liegt – Metallica war noch nie eine meiner Lieblingsbands. Es gab Zeiten da war sogar das Gegenteil der Fall. Mit offenen Ohren durchs Leben zu gehen, sollte aber das Mindeste sein, was man als musikinteressierter Mensch tun kann. Auch ohne Metallica-Fan zu sein, fällt der Name einem immer wieder auf, ob man will oder nicht. Den Release ihres zehnten Studioalbums nehme ich hier deshalb zum Anlass auch mal etwas über das kalifornische Metal-Monster zu schreiben. “Death Magnetic“ heißt die seit Monaten mit viel Brimborium angekündigte Scheibe, zehn Tracks deren Gesamteindruck die Substanz aller Metallica-Phasen perfekt zusammenfasst.

“St. Anger“ hieß vor fünf Jahren das von Fans wenig geliebte Vorgängeralbum. Eins ist schon nach dem ersten “Death Magnetic“-Durchlauf sicher, Star-Produzent Rick Rubin hat diesmal – im Gegensatz zu Bob Rock bei der letzten Platte – alles richtig gemacht und in gewohnter Manier abgeklärt, trocken und hochgradig präzise alles auf den Punkt gebracht. Hetfields und Hammetts Gitarren brechen einem fast die Beine und die druckvolle Rhythmussektion trägt den Rest zum feierlichen Metal-Feuerwerk bei. Metallica besinnen sich auf alle Rockbretter die seit über 25 Jahren im Keller stehen und mischen den Trash- und Speed-Metal der Anfänge gekonnt mit späteren Progressive-, Blues- und Hardrock-Anleihen. Mainstream-Metal wurde das kürzlich mal irgendwo genannt und genau das ist es auch. Zwischen alle Vorurteile jagen Metallica einen Keil der genauso kontemporäre Popkultur, wie nischenhaftes Metal-Credo beinhaltet.

Auf epischer Breite – alle zehn Songs auf “Death Magnetic“ bewegen sich zwischen fünf und zehn Minuten – eröffnet die Combo, um die Gründungsmitglieder Lars Ulrich und James Hetfield, ein unbändiges Dauerfeuer an Druckriffs und Haarschüttel-Grooves. Am Ende steht nur die Frage warum Metallica in der Vergangenheit nicht immer so zielorientiert ans Werk gegangen sind und ob man sich denn auch die richtige Version von “Death Magnetic“ zugelegt hat. Neben einer Standard-CD-Edition gibt es allerhand Deluxe-Packages und als kommerzielle Krönung die 100 Euro Sargversion. Metallica wissen wie man sich richtig vermarket und wie man seine Musik zu Penunze macht.

Die meisten Metallica-Protagonisten werden zwar bei Weitem keine Konsenssympathieträger mehr – allen voran Herr Ulrich –, jedoch sollte man dort den Hut ziehen, wo es sich gehört. Metallica schaffen es, wie kaum eine andere Band, sehr heterogene Hörerschichten unter einem Dach zu versammeln. Alter spielt absolut keine Rolle, die Väter scheinen ihre Söhne passend sozialisiert zu haben und jetzt hört man das zünftige Gekloppe gemeinsam. Vom Ich & Ich-Hörer zum Wacken-Besucher, die Marke Metallica weiß sich durchzusetzen und fast überall Anklang zu finden. Man muss die kontrovers diskutierte Band auch 2008 nicht mögen, aber anerkennen, welche Position sie verdientermaßen innehaben. “Death Magnetic“ untermauert den Ruf des Quartetts und ist sogar ein richtig gutes Album geworden.
[Sascha Knapek]

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