Herman Dune – Next Year In Zion



Während Bruder Andre Herman Dune in Berlin fröhlich seine Identitätsspiele auslebt, setzen David-Ivar und Neman die Siesta des Vorgängers mithilfe ihrer Freunde, die natürlich alle auch irgendwie Herman Dune sind, fort. Und dies wirkt vom ersten Song an so, als wären all die Dunes dieser Welt in den Glückselixir-Topf gefallen.

Frei nach dem Motto ‚Happines is a warm gun‘ verbreiten sie gute Laune und David singt von der Liebe in den schönsten Farbtönen. Mal ist es die Vorfreude, mal das Glück des Aufwachens und schließlich die süßen Ticks der geliebten Person. Das gute Leben eben, in das sich nur hin und wieder ein grauer Ton einschleicht.

Natürlich wirkt all der glückliche Kram sonderbar, wenn du beim Hören mit kaputten Menschen in einer vollen UBahn zwischen Dortmund Wickede und Dortmund Nord pendelst, während deine vermeindliche Liebe gerade vermutlich irgendwo von einem Golfer mit Gleichgewichtsstörungen penetriert wird. So macht das Leben doch keinen Spaß. Da könnte man meinen, dass da auch das neue Herman Dune Album nicht hilft. Plötzlich nimmst du unter Dune-Einfluss jedoch die Wüde des Dödels gegenüber wahr und deine Liebe ist für wenige Minuten wieder das Mädchen, das auf alten Brücken mit der Weinflasche in der Hand tanzte. Die Harmonien sitzen einfach. So erinnert die Platte stark an die frühen Beatles-Alben, auf denen es ebenfalls noch cool war das Glücksgefühl bis zum umfallen hochzupreisen.

Musikalisch gibt es wieder den lockeren Folkpop, der auch diesmal in STEREO aus den Boxen schallt. Mit von der Partie sind ebenfalls die Baby Skins, die so soft und unschuldig wie ihr Bandname klingen. Die vier Mädchen, die auch abseits der Dune-Bande zauberhafte Musik machen, schmücken nun fast jeden Song mit ihren Backing Vocals. Dies grenzt schon fast an eine Zucker-Überdosis und beim Blick zurück vermisst man auf „Next Year In Zion“ einige besondere Momente und Kanten, die „Giant“ zu einer so verflucht großen Platte machten. Alles in Allem bricht da jedoch kein Zacken aus der prächtigen Pop-Krone. „Next Year In Zion“ ist ein gelungener Nachfolger des „Giant“ Meisterstücks. Es sind eben die erhofften Bonustracks des Vorgängers oder the bright side of ‚Giant‘.
[Sebastian Jegorow]

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