Garda



Im Oktober erscheint “DIE, TECHNIQUE, DIE!” des Gardakollektivs, dessen Musik von der Visions als “Zurückgelehnter als Sophia, gefestigter als Conor Oberst, leiser als Damien Rice” beschrieben wurde. Der Sonic Reducer traf Kai in der Dresdner Neustadt, um über Garda, Musik allgemein, touren & die neue Platte zu reden.

Sonic Reducer: Erzählt doch mal, wie das Projekt Garda entstanden ist.

Kai Lehmann: Eigentlich ist das aus dem Zufall heraus gewachsen. Irgendwann ing ich an, zu Hause für mich Sachen zu schreiben. Der Mario [Cetti, von Kumpels & Friends] organisierte dann Singer-/Songwriter-Abende und rief mich an, weil ich spielen sollte. Ich wollte anfangs gar nicht, habe mich dann aber breit schlagen lassen und letztlich mit Ronny, mit dem ich auch bei Claim spiele, an diesem Abend gespielt. Gute Freunde von uns, die Musiker von Gentle Lurch, sahen uns an dem Abend und hatten Lust, mitzumachen, und alles ergab einen Eigenlauf. Wir haben uns dann zusammengesetzt und die Songs zusammen überarbeitet. The Gentle Lurch wollten dann auf Tour gehen und uns mitnehmen, und da man ja nicht auf Tour gehen kann, ohne eine Platte draußen zu haben (lacht), haben wir noch schnell die EP [Come On! Dance! And Explode! Zu hören bei Myspace] aufgenommen

SR: Die Visions schrieb mal über Eure EP „Platz Zwei der unpassendsten Tonträgertitel geht direkt hinter Mogwais “Happy Songs For Happy People” an Garda und ihre erste EP „Go On! Dance! And Explode!““ Euer Album wird den Titel „Die, Technique, die!“ tragen. Wie kommt ihr auf solche Titel?

KL: Bei dem Titel dachten wir anfangs wirklich an Technik, wurden dann aber von unserem Gitarristen, der Anglistik studiert hat, eines besseren belehrt. Wir haben dann eine Weile überlegt, fanden die richtige Übersetzung dann aber auch irgendwie passend. Bei der EP wars eher so, dass ich von einer guten Freundin ein Buch von Haruki Murakami [Tanz mit dem Schafsmann] geschenkt bekommen hatte, das ich unbedingt lesen sollte, weil es mir nicht gut ging. Ich brauchte zwar eine Weile, bis ich es zu Ende gelesen hatte, aber eine der Hauptaussagen des Buches war „Egal, was du machst – tanze immer weiter.“ Das war so die Quintessenz aus dem Buch, und weil es so passend war, entschieden wir uns dann für diesen Titel.

SR: Aber man hat schon andere Vorstellungen von der Musik, wenn man den Titel liest.

KL: Naja, wenn man den Hintergrund mit dem Zitat weiß, ist es wohl wieder nachvollziehbar. Die meisten haben sich wohl an dem Dance und Explode aufgehangen. Und der Titel muss ja nicht unbedingt zur Musik passen. Und das Leid, was auf der Platte ist, nehmen wir auch teilweise ironisch. Auf Konzerten zum Beispiel – auf die Bühne setzen und eine Stunde traurig sein funktioniert ja nicht so richtig.

SR: Wie entstehen Lieder bei Euch?

KL: Ich setz‘ mich mit Gitarre hin, schreib‘ Lieder und die Texte. Und habe eine gewisse Vorstellung. Ich „schubse“ die Lieder eigentlich nur an – die anderen haben einen sehr großen Anteil an der Entstehung der Lieder. Meistens werfe ich die Lieder den Leuten quasi zum Fraß vor und sage: „Macht was draus. Dass ich jetzt der alleinige Mastermind bin, wie es auch ab und an geschrieben wird, ist deinitiv nicht der Fall. Das Grundgerüst bilden aber Schlagzeug und Gitarre, so dass wir auch zu zweit spielen können, wie beim Elbhangfest beispielsweise. Generell spiele ich sehr viel über Gehör. Ich kann keine Noten lesen, hatte ein paar Jahre Gesangsunterricht und bin Autodidakt bei der Gitarre.

SR: Ich habe zwei Konzerte von Euch gesehen – einmal zu siebt, einmal zu zweit. Doch bei beiden Konzerten konntet ihr die Zuschauerschaft mitreißen.

KL: Meistens gehen wir zu sechst auf Tour. Es ist ähnlich wie ein Klassenauslug, da wir uns schon seit mehr als 10 oder 15 Jahre aus der alten Heimat, dem Erzgebirge, kennen. Ich muss niemanden erklären, um was es in den Liedern geht, da die Leute meistens sowieso wissen, worum es sich handelt und dann freuen wir uns auch total, unterwegs sein zu können und mit Menschen auf der Bühne zu stehen, die man sehr mag. Wobei wir uns da manchmal fragen, ob die Leute uns das abnehmen, da die Lieder ja eigentlich sehr traurig sind, wir aber sehr viel Spaß am spielen haben. Ob Konzerte gut laufen oder nicht, hängt nicht zwangsläuig von den Leuten ab, die da sind – wir haben zum Beispiel in Leipzig mal vor 5 Leuten gespielt, wo man am Anfang auch denkt „toll, klasse.“ Aber auch diese 5 Leute sind nur wegen uns gekommen – und letztlich war das einer der besten Auftritte, den wir auf dieser Tour hatten. Ob ein Konzert gut wird oder nicht, hängt meist davon ab, wie man sich fühlt. Und wenn ein Konzert nicht gut läuft und man sich ständig verspielt, nervt mich das total.

SR: Hast Du denn einen Wunschort, wo Du gerne mal spie-
len würdest?

KL: Generell nicht, nein. Wir möchten möglichst viele Konzerte spielen und auch möglichst weit in Europa rumkommen.

SR: Gibt es jemanden, für den ihr gerne mal ein Konzert
eröffnen würdet?

KL: Ja, da gibt es einen großen Traum – Robin Propper-Shepard, Sophia. Wenn ich das erreicht habe, werde ich auf-hören (lacht). Seine Musik und auch, wie der Mensch ist, hat unsere Lieder sehr beeinlusst. Todtraurige Lieder schreiben, aber trotzdem mal über sich lachen können.

SR: Welche anderen Bands haben euch musikalisch sehr beeinlusst?

KL: Also prinzipiell hören wir die Musik, die wir selber machen, eher selten. Wir hören eigentlich einiges – Postrock/Hardcore-Sachen genauso wie Singer-/Songwriter oder auch Jazz und Electro-Sachen. Um mal ein paar Bands zu nennen: The National, Kristofer Aström, Sophia, Death Cab for Cutie. Ich persönlich höre viel Instrumentalmusik wie Godspeed You! Black Emperor, Mogwai oder auch Ef. Allerdings inspirieren mich diese Bands nur musikalisch, nicht in Bezug auf die Texte (lacht). Generell mag ich Bands, die ehrlich rüber kommen und ernst meinen, was sie machen. Die auf Tour gehen und zum Beispiel ihre Wohnung kündigen.

SR: Würdest Du das auch machen?

KL: Würde ich gerne (lacht). Aber da kommt wohl der Realist in mir durch. Wir sind ja alle schon etwas gesetzter und nicht mehr Anfang 20, da weiß man schon, dass sich die Welt nicht allzu einfach einreißen lässt. Wir sehen das alles realistischer. Wir wollen schon, das mit Garda etwas passiert, aber wir wollen und nicht um jeden Preis verkaufen. Wenn man von der Musik leben könnte, wäre das natürlich grandios.

SR: Was ist denn für Dich die beste LP, die je gemacht wurde?

KL:
Das letzte von The National war grandios (Boxer). Aber auch die alten Death Cab for Cutie und, natürlich, Sophia-Sachen.

SR: Hast Du einen bisherigen Hit 2008?

KL: Schwer. Aber ich glaube für dieses Jahr: White Stripes – Seven Nation Army. Weil es dauernd gespielt wurde, jedoch mag ich das Lied nicht mehr wirklich, da ich jetzt immer an die mitgrölende Menge im Stadion denken muss, wenn das Lied läuft.

SR: Erzähl mal etwas von eurer neuen CD.

KL: Angefangen haben wir im August 2007, richtig fertig mit mischen und mastern waren wir im Juli 2008. Aufgenommen haben wir die CD im Proberaum von Gentle Lurch, wo wir auch die EP schon aufgenommen hatten. Gemischt wurde es in Nürnberg bei Christian Ebert, der auch schon mit The Robocop Kraus zusammengearbeitet hat. Gemastert wurde es von Pascal Stoffels, der zum Beispiel auch mit delbo oder Blackmail gearbeitet hat. In den ersten beiden Oktoberwochen kommt die CD dann raus, über Schinderwies und K&F.

SR: Was sagst Du zu der Musikszene in Dresden?

KL: Eine „richtige“ Szene gibt es in Dresden nicht, denke ich. Für jede Sparte gibt es herausragende Künstler, auch wenn diese mir nicht unbedingt gefallen. Polarkreis18 – egal, ob man sie mag oder nicht – haben zum Beispiel viel für Dresden gemacht. Musikalisch sind sie einwandfrei, viele Leute schauen auf Dresden. Qualitativ macht denen keiner so schnell etwas nach. Andere, die mir in den Sinn kommen: Tijuana mon amour broadcasting inc, Gentle Lurch, Sea of Love, Parandroid. Es gibt auch viele gute Hardcorebands.

SR: „Die, Techniques, Die“ in 5 Worten?

KL: Opulent, instrumental, laut, eindringlich, toll.

SR: Danke Dir für das Interview!

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