Damien Jurado – Caught In The Trees 2



Zwei Jahre mußte man auf ein neues Damien Jurado Album warten. Nun ist er jedoch zurück..im Baum gefangen. Und so hoch über der Erde scheint ein frischer Wind zu wehen. Bereits der Opener „Gilian Was A Horse“ klingt nach frischer Luft und der Vogelperspektive der NASA-Aufnahmen, die das Artwork der Platte zieren. Der Song dürfte zumindest in der US-Heimat als ein radiotauglicher Popsong einschlagen.

Und auch sonst gibt es auf dem – halt mal, hat eigentlich einer mitgezählt? Neuten? Ja, die Postcards und Audioletters ausgenommen müßte es das neute sein – neunten Album des Amerikaners fein getupften Folkrock, der diesmal auch befreiend und krachig klingen darf. Aufgrund der immer wieder auftauchenden Einsätze elektrischer Gitarren erinnern die Songs teilweise an die fulminanten Stampfer des Gathered in Song Albums „I Break Chairs“. Wenn das einmal keine gute Nachricht ist…

Auch wenn Jurado seine langsamen Mörderballaden und morbiden Wüstensongs wie „I Had No Intentions“ oder „Amateur Night“ hier nicht mehr aus der Tiefe seiner (in Wirklichkeit nicht einmal sonderlich) düsteren Seele hervorholt, so steckt auch auf „Caught In The Trees“ eine ordentliche Portion schwarzer Galle. Hin und wieder werden die Songs in einen düsteren Raum voller Nostalgie und Sehnsucht gesperrt und erst rausgelassen, wenn sie den Hörer zum leisen Schluchzen gebracht haben. Allen voran wäre da das zauberhafte „Everything Trying“, das einem vor einigen Monaten bereits als Demo die Worte raubte, zu preisen. Sanft singt Jurado darin von wehmütigen Telefonaten, Reue, Sehnsucht und sprengt damit in Windeseile das ewig gebrochene Zuckerherz seines Hörers. Der frühere narrative Minimalismus in bester Raymond Carver Manier, der die schönsten Momente anreisst und an den Rändern der Geschichten abspielen läßt, weicht hier einem stärkeren Selbstbezug in den Texten (insbesondere „Coats Of Ice“).

Das Dream Team des großartigen Vorgängers „And Now That I´m In Your Shadow“ ist näher aneinander gewachsen. Neben Jurado und seinen treuen Begleiter Eric Fisher ist auch Jenna Conrad, die mit ihrem Soloprojekt Troubletown selbst den Soundtrack für die Pause zwischen den letzten Jurado Platten sorgte, mit von der Partie. Und Ihre Partizipation scheint diesmal über den simplen Cello-Einsatz und das verleihen Ihres Goldkehlchens für die Backing Vocals hinaus zu gehen. So steuert sie mit dem ungewöhnlich krachigen „Best Dress“ einen eigenen Song bei und ist für das Songwriting des oben erwähnten Pophits „Gillian Was A Horse“ mit verantwortlich.

Das eindeutigste Attribut der Platte ist wohl die Abwechslung. So gibt sich Jurado auf der Platte mal als der introvertierte Melancholiker und mal als extrovertierter Beserker. Da darf auch einmal ein Instrumental die Hörer bei Stange halten, derber Krach verstören oder zum Abschluß des gemächlichen „Sheets“ softe E-Gitarren und Klaviere 1,5 Minuten lang voller Gefühl über dem Gitarrenpicking tänzeln.

Zum Abschluß gelingt Jurado mit „Predictive Living“ klangheimlich wohl das größte Kunststück der Platte. Ein kleiner subtiler Akustiksong mit Cello-Begleitung. Selbstreflektion und unterschwellige Selbstironie klingt da im Text immer wieder durch. Und abschließend der Refrain, der die vergangenen Abschnitte dieser Zickzack-Rezension wohl am besten zusammenfasst.

„Just when you thought you had me pegged / Thinking I’m the same / Then I go and change / Three become a name“. Damien Jurado ist nun eine Band. Fragwürdiger Gott, was ist das schön.


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