Michael Haneke 4



Grund für diesen Beitrag über den Regisseur Michael Haneke Michael Haneke ist sein aktuelles Remake des eigenen Films “Funny Games” und das Buch “Michael Haneke und seine Filme”, das zuletzt beim Schüren Verlag erschienen ist.

Als Liebhaber der Filme Michael Hanekes und der ursprünglichen Funny Games neigt man zunächst dazu beim Gedanken an ein US-Remake des Films stark das Gesicht zu verziehen und sich dem verbitterten Gedanken zu widmen, dass die amerikanische Filmindustire nach Susanne Bier (Open Hearts) und Alejandro González Iñárritu (Amores Perros) nun einen weiteren großen Filmkünstler korumpiert und verdorben hat.

 

Dieses Argument wird jedoch bereits entmachtet, wenn man sich Susanne Biers letzten Film “Things We Lost In The Fire” anschaut, in dem die Regisseurin weiterhin ihren Weg geht und dem US-Kino ihren eigenen Stempel aufdrückt.

Auch im Bezug auf Michael Haneke entpuppt sich die Skepsis als Trugschluß. Wenn man sich den Sinn und das Ziel der “Funny Games” wieder vor Augen führt, dann ist ein Remake des Films fast schon eine Pflichtbewältigung. Denn insbesondere in „Funny Games“ hinterfragt Haneke die Rolle des Zuschauers im Bezug zu der Gewaltdarstellung in Filmen.

Hier kommt zu der klassischen Filmtheorie und die Vorstellung der Leinwand als Bildrahmen oder Fenster eine zusätzliche psychologische und ethische Komponente. Haneke geht es in seinem Film “Funny Games” insbesondere um die Rolle des Zuschauers, der im Rahmen des Filmmediums Gewaltszenen wie Popcorn konsumiert. Da scheint es fast schon logisch, dass Haneke dies nun, da ihm die Mittel eines gestandenen Regisseurs zustehen, auch die US-Zuschauer mit seinem Film konfrontiert.

Zugegeben, für den deutschen Zuschauer, der den Film bereits im Original sehen durfte, bleibt hierbei nicht viel interessantes über und allein die Vorstellung in den Rollen der beiden Eindringlinge Paul und Peter nicht die grandios aufspielenden Frank Giering und Arno Frisch, sondern Michael Pitt und Brady Corbet zu sehen, ist nicht sonderlich einladend Sinnlos macht dies das Filmprojekt, das sich insbesondere an das US-Publikum richtet, jedoch keinesfalls.

Michael Haneke wurde am 24. März 1942 in München geboren. Seine Jugend- und Studienzeit verbrachte Haneke jedoch in Wien, wo er Philosophie, Psychologie und Theaterwissenschaften studierte. Zunächst war er – wie bereits sein Vater – an TV-Produktionen beteiligt. Neben den beiden Literaturverfilmungen “Das Schloss” (Kafka)” und “Die Klavierspielerin” (Jelinek), von denen insbesondere die zweite für großes Aufsehen sorgte, drehte Haneke unzählige weitere Filme, die sich häufig um das Thema Gewalt drehen. Hierbei wäre insbesondere seine Trilogie “Der siebente Kontinent”, “71 Fragmente des Zufalls” und “Benny´s Video” hervorzuheben. In den drei Filmen geht es insbesondere um unterschiedliche Aspekte der Gewaltausübung und um die sogenannte “Vergletscherung der Gefühle”, Besonders bemerkenswert ist dabei der Film “Benny´s Video”, in dem ein Jugendlicher zurückgezogen in einer Welt voller Medien lebt und im Laufe des Films in einer einzigen Tat die Grenze zur Realität übertritt und ein Mädchen tötet. Die Mordszene wird dabei aus einem festen Winkel gefilmt, der von der Tat selbst kaum etwas sehen läßt und den gesamten Schrecken über die Vorstellung und das Gehör des Zuschauers ableitet.

Dass es hierbei um keine Verherrlichung oder Ästhetizisierung der Gewalt geht, wird dem Zuschauer vermutlich recht schnell klar. Haneke´s Filme sind fern von Tarantino´s Aussage “Violence is one of the most fun things to watch” und gehen dieser eher psychologisch auf dem Grund. Doch wo liegt die Motivation Hanekes solche Filme zu schaffen und der Sinn seiner unkonventionellen Filmkunst genau? Eben dieser Frage, die wir im Rahmen eines kurzen Artikels nur anreissen können, nähert sich das oben angesprochene Buch “Michael Haneke und seine Filme”.

Im Rahmen einiger Arbeiten und Interviews nähert sich die Zusammenstellung der Person Haneke und seinen Filmen. Allen voran wird ein Interview gestellt, in dem der Regisseur selbst vieles auf den Punkt bringt. Fast scheint es so, als wenn der Herausgeber Gerhard Larcher den Regisseur selbst damit die Einführung in die eigene Filme und das Thema überläßt, um die Filme dann im Rahmen der weiteren Beiträge von unterschiedlichen Positionen zu beleuchten. Dabei gehen die einzelnen Verfasser auf die unterschiedlichen Filme ein und stellen somit letztendlich ein gelungenes Gesamtergebnis zusammen, dass Hanekes OEuvre umfasst und treffend darstellt. Ein wichtiger Aspekt, der immer wieder heraussticht ist die Art, mit der Haneke seine Kritik und Analysen ausübt. Hierbei handelt es sich um keine klischeehafte Ausführung oder eine Moralkeule, sondern um offene Fragen, die dem Zuschauer vor die Füße geworfen werden. Im Medium Film, in dem es sonst gilt alle Fragen im Rahmen der zur Verfügung stehenden Zeit zu lösen, ist dies besonders bemerkenswert.

Das Ergebnis ist oft ein unwohlbefinden des Zuschauers. Dies ist auch einer der Aspekte, weshalb seine Filme häufig als schwere Kost gelten und den Zuschauer selten unberührt lassen, obwohl Haneke den Einsatz von physischer Gewalt in seinen Szenen auf das nötigste reduziert.

Alles in allem eine Pflichtlektüre für alle Menschen, die von den Filmen des Regisseurs fasziniert sind und sich der Wirkung nicht nur aussetzen wollen, sondern etwas mehr über die Hintergründe und Motivationen erfahren möchten.


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4 Gedanken zu “Michael Haneke

  • Markus Leithe

    Als Michael Haneke Fan habe ich mir beide Varianten des Funny Games Films angeschaut. Ich finde beide Filme genial. Finde jedoch auch, dass man eigentlich nur eine der beiden Varianten sehen muss (vorzugsweise das Original).

  • Antihandke

    Ich vermisse in deinem Artikel einige Filme aus der umfangreichen Filmographie. Sonst ist er jedoch gelungen.

  • Anna Maria Weigand-Goerdeler, München

    Als ehemalige Mitarbeiterin und Kollegin gratuliere ich
    ganz herzlich zu dem verliehenen Preis “ Träger der Goldenen Palme“

    Da ich selbst kein Internet besitze, gehen meine Glückwünsche über eine befreundete Adresse.

    Liebe Grüße

    Annemarie Weigand-Goerdeler

  • Anna Maria Weigand-Goerdeler, München

    Als ehemalige Mitarbeiterin ( als Cutterin beim ZDF ,gratuliere ich
    ganz herzlich zu dem verliehenen Preis “ Träger der Goldenen Palme“

    Da ich selbst kein Internet besitze, kommen meine Glückwünsche über eine befreundete Adresse.

    Liebe Grüße

    Annemarie Weigand-Goerdeler