Conor Oberst – Conor Oberst



Conor Oberst, das Wunderkind des US-amerikanischen Songwriterzirkus. Mit vierzehn veröffentlichte er sein erstes Album “Water“ und gilt spätestens seit Anfang des 21. Jahrhunderts als eine der zentralen Figuren in der Schnittmenge von Folk und Lyrik (der Rolling Stone kürte ihn zum „besten Songwriter“ des Jahres 2008). Conor Oberst ist nach etlichen Veröffentlichungen seines als Band getarnten Kreativoutlets (namens Bright Eyes) Conors vierte Soloplatte – die erste seit dreizehn Jahren.

Die zwölf vertretenen Songs als „Schema F“ abzustempeln, wäre zu gemein und würde dem 28-jährigen auch nicht gerecht werden. Zu oft kommt einem das Vorgetragene jedoch zu bekannt vor, um ihn als Neuentdecker des amerikanischen Straßensongwritings ausrufen zu können und zu wollen.

Er zitiert und verweist gewaltig oft. Und damit meine ich nicht nur die Granden der Szene. Gerade unbekanntere Zeitgenossen und ausgesprochene Vorbilder von Oberst – z.B. der grandiose Simon Joyner – müssten sich, wenn man mit dem netten Conor nicht so gut befreundet wäre und jeder seine Genialität als gottgegeben hinnehmen würde, verwundert an den Kopf fassen und rätseln, was man falsch gemacht hat und den Weg zur Jugendikone gar nicht erst in Angriff nahm. Ohne Frage, Conor Oberst hat ein paar richtig tolle Songs. Danny Callahan und Cape Canaveral zeigen das Erzähltalent von Conor Oberst und Milk Thistle ist ein verdammt aufregendes Road-Movie von einem Schlusslicht. Demgegenüber stehen der altbackene Tex-Mex-Country von Sausalito, der unausweichliche Ausflug in die Irrenanstalt namens I Don’t Want To Die (In The Hospital), der mit NYC – Gone, Gone erreichte Höhepunkt der Nutzlosigkeit und die Wonne der Mittelpracht von Get-Well-Cards oder der Single Souled Out!!!.

Oberst orientiert sich an amerikanischer Literatur, dem Geist von Kerouacs On The Road und mancherorts wird er einfach und relativ grundlos als der Bob Dylan unserer Tage hochgejubelt. Man wird das Gefühl nicht los, dass er zu gerne in diesen gewissen elitären Kreis gehören würde und deshalb eine bekannte Schablone nach der anderen in seine Songs einbaut. Für das Ohr nicht unangenehm, schwingt doch immer eine gewisse Skepsis mit. Warum zum Teufel ist gerade das jetzt der Konsenssongwriter der letzten Jahre? Die Frage stelle vielleicht nicht nur ich mir seit diversen Bright Eyes-Alben.

Conor Oberst weiß durchaus zu gefallen und im Vergleich zu anderen neuzeitlichen Hypegespenstern – ich denke da in erster Linie an Ryan Adams – sind die Songs des Musikers aus Omaha, Nebraska verhältnismäßig unaufgeregt und erfreulich subtil arrangiert. Bis auf kleine Ausnahmen fehlen Nervtiraden a la Adams und der Größenwahnsinn zu denken, alles was man anfasst werde zu Gold. Warum der 28-jährige allerdings das Zepter des herausragendsten Songwriters unserer Tage verdienen sollte, wird für mich auch nach seinem vierten Soloalbum nicht deutlich. Solide Songs mit bekannten Motiven, Strukturen und Themen – und ein gut gepflegtes Image. Nicht mehr und nicht weniger. Der Weg zum Thron ist weit, aber eine Hängematte ja eh um einiges bequemer.

[Sascha Knapek]


Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

0 Gedanken zu “Conor Oberst – Conor Oberst