Albert Hammond Jr. – Como Te Llama?



Das schillernde Tageslicht des Rock’n’Roll-Biz erblickte Albert Hammond Jr. zwar irgendwie schon durch die Tatsache der Sohn von Albert Hammond (u.a. “It Never Rains In Southern California“) zu sein, die ersten selbstbezogenen Sonnenstrahlen gab’s dann allerdings erst gut 20 Jahre nach der Geburt des Junior-Hammonds. Als Gitarrist der mal retro-garagigen, mal post-punkigen New Yorker Stilikonen The Strokes. Das Strokes-Korsett von Zeit zu Zeit zu verlassen und gänzlich eigene Kompositionen zu präsentieren, ist ein zu befürwortendes Anliegen von Hammond Jr. und seine zweite, vor der Tür stehende (VÖ: 04.07.), Platte “Como Te Llama“ untermauert die Erwartungen, dass der 28-jährige noch viel mehr zu bieten hat, als seine Saitenbearbeitung bei den Strokes.

Überaus lässig und entspannt ist das was einem beim Albumdurchlauf aus den Lautsprechern entgegenhallt. Erfreulich unangestrengt begibt sich Albert Hammond Jr. in die Position des Frontmanns. So als würde er nie etwas anderes tun. Seine Unterstützer – Matt Romano am Schlagzeug, Marc Philippe Eskenazi an Gitarre und Keyboard, Josh Lattanzi am Bass und auch Sean Lennon (am Piano) beim mit über sieben Minuten dann doch etwas langatmigen Stimmungskiller “Spooky Couch“ – begleiten die sommerliche Leichtigkeit von Nummern wie “Lisa“, “Victory At Monetrey“ oder das mit The Clash-Riff daherkommende “Borrowed Time“ hervorragend und das Kollektiv ruft gemeinschaftlich zur unaufgeregten Flirtattacke auf.

Frei übersetzt heißt “Como Te Llama?“ „wie heißt du?“. Mithilfe flirrender Garagengitarren (die sich nicht selten nach nicht wirklich klammheimlichem Reggae anhören) und einer durchaus angenehmen Mischung aus Coolness, Retroelementen und der Stimmung längst vergangener Popsternstunden, geht das Motto auf. “Como Te Llama“ ist kein Standartanmachspruch, sondern eine ernst gemeinte Sympathiebekundung. Das von Hammond zusammen mit Matt Romano und Gus Oberg produzierte und in den legendären Electric Lady Studios aufgenommene Album ist voll mit Stücken die einem tagelang nicht aus dem Kopf gehen – speziell wenn die Abendsonne scheint. “Rocket“, “Bargain Of A Century“, “The Boss Americana“ und “In My Room“: alles Songs von Albert Hammond Jr.’s zweiter LP, über die sich jede Strokes-Platte mehr als glücklich schätzen könnte – und das kolossale “You Won’t Be Fooled By This“ fehlt in der Aufzählung sogar noch.

Fazit: Albert Hammond Jr. nutzt alle Freiräume die ihm sein Alleingang ermöglicht. Sollten die Strokes irgendwann mal das Licht ausmachen, hat ihr Rhythmusgitarrist die Perspektive einer vielversprechenden Solokarriere. “Como Te Llama?“ ist nach dem 2006er-Album “Yours To Keep“ der zweite Resümeegrundpfeiler den Albert Hammond Jr. in die globale Musiklandschaft wuchtet. Vergleiche und Hinweise zur Hauptband sind unausweichlich – und durchaus angebracht –, der Musiker braucht sie allerdings nicht scheuen und verstecken muss die Platte sich schon mal hinter ganz und gar niemandem!

[Sascha Knapek]

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