U2 – October



U2’s zweites Album ”October” ist für die Anhänger der Band oft kein leichtes. Im Vorfeld der Aufnahmen wurden Bono damals alle Lyrics geklaut (2004 tauchten sie überraschend wieder auf) und besonders die stark christlich orientierte Thematik mag den ein oder anderen damals – 1981 – etwas verwundert haben.

Gleich drei Bandmitglieder – The Edge, Bono und Larry Mullen – gehörten seiner Zeit zur christlichen Gruppe „Shalom Fellowship“ und zweifelten am gängigen Rock’n’Roll-Habitus. Bis heute genießt “October“, was die frühen U2-Alben angeht, nicht gerade den besten Ruf. Trotz starker Momente ist das auch zu Recht so.

Produziert hatte vor 27 Jahren erneut Steve Lillywhite (u.a. Travis, Talking Heads) und es ist erstaunlich wie gut er die vorherrschende Hektik im Studio – Bono improvisierte wegen den verschwundenen Texten einige Parts – von den tatsächlichen Aufnahmen fern halten konnte. Die von The Edge überwachte Remasterung der analogen Masterbänder, befördert die elf vertretenen Songs ins 21. Soundjahrhundert und bläst ihnen den unausweichlichen Staub aus den Gliedern. Auf den ersten Blick mag die Platte etwas komisch und zuweilen spießig anmuten, jedoch ist sie – als kleiner Rückschlag – ein wichtiges Evolutionskapitel des irischen Quartetts. Mit dem Debüt “Boy“ kann “October“ zwar zu keiner Zeit mithalten, aber die spätere Entwicklung einzelner Bandmitglieder – z.B. Adam Claytons facettenreiches Basspiel bei “Gloria“ – hört man auf der zweiten U2-LP schon verhältnismäßig gut heraus. Die Hits sind auf “October“ rar gesät und eigentlich so gut wie nicht vorhanden. Vielleicht ist es gerade auch deshalb ein so wichtiges Album für die Band. “Sunday Bloody Sunday“ und “New Year’s Day“ würden ja auch nur knapp anderthalb Jahre auf sich warten lassen.

Wie schon bei der vor wenigen Tag hier vorgestellten Wiederveröffentlichung von ”Boy“, gibt es auch bei “October“ unterschiedliche Varianten, aus denen man als Käufer auswählen kann. Vinyl für die Nostalgiker, die remasterte Standart-Edition und eine „Deluxe Edition“ mit opulentem Booklet und einer 17 Songs umfassenden Bonus-CD. Speziell die letzte Alternative bietet mit etlichen Liveversionen (z.B. von “Gloria“, “I Threw A Brick Through The Window“, “Cry/The Electric Co.“ oder “I Will Follow“) für einige sicherlich diverse Kaufgründe. In Kürze folgt dann noch das dritte und abschließende Review von “War“.

[Sascha Knapek]

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