The Notwist – The Devil, You And Me



An diese Stelle würde eigentlich diese oft verwendete Metapher mit dem Chamäleon passen. Nach ihrer Gründung 1989 hat das Projekt so ziemlich alle Nischen der Musik probiert. Von den rohen Rocknummern der frühen 90er über Jazz-getriebene Cruisehymnen mit Elektrogetucker und die Perfektion des Weilheim-Sounds bis hin zur HipHop-Affäre. Selbst in der Dixiland-Band ihres Vaters haben die Archer Brüder gespielt. Hier wird nicht nur an den Grenzen des eigenen Horizonts gekratzt, sondern das Off The Rails Prinzip in Perfektion umgesetzt.

Nach dem letzten richtigen Notwist Release vor etwa sechs Jahren und dem 13 & God Abenteuer wird nun der Teufel herbeigeschworen und damit ein weiterer Abschnitt der Metamorphose eingeläutet. Diesmal zum ersten mal ohne einen Stammschlagzeuger. Die Songs der neuen Platte werden zudem immer wieder von Akustikgitarren begleitet und spinnen die Entwicklung hin zum relaxten und ausgereiften Songwriting, die bereits “Neon Golden” prägte, noch weiter.

Anfangs scheint beim wundervollen “Good Lies” jedoch alles beim Alten zu sein. “Let´s just immitate the real until we find a better one” heißt es in diesem großartigen Song, den man sich auch in einem kleinen Club vorstellen könnte. Natürlich würde da ein guter DJ hinter stecken und nicht diese Quoten-Idioten mit ihren Indie-Wichsvorlagen. Doch zurück zum Wesentlichen…

Im weiteren Verlauf der Platte mischen sich immer wieder softe Songs wie “Sleep” oder “The Devil, You & Me” unter das Volk. Wundervolle Akustiknummern, denen man aufgrund des Gesangs und der Soundspielereien allerdings jederzeit das Handwerk der Archer Brüder anmerkt. Auch das elektronische “On Planets Off”, das ursprünglich der Titeltrack der Platte sein sollte, wirkt ruhig und zurückhaltend.

Eines der Highlights der Platte ist “Boneless”. Eine quirlige Tanznummer, die sich in den Rausch spielt und damit stark an die Lali Puna Stücke erinnert. Als schwach könnte man höchstens das träge “Alphabet” bezeichnen, das wie eine übergewichtige Ballerina so völlig ohne Antrieb vor sich hin dümpelt und eine seltsame Figur macht. Mit all den Facetten wirkt “the Devil, You & Me” nicht nur reif, sondern auch unheimlich homogen. Und so gibt es zum Abschluß mit “Gone Gone Gone” die Angst vor der Einsamkeit, die Wehmut und den Antrieb zum Sozialen in einem schlichten kleinen Song, an dessen Ende Archer “We will never let you go” singt. Beruhigend.
[Sebastian Jegorow]

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