Hayden – In Track & Field



Arcade Fire, Feist, Black Mountain, Costellation Records, Arts & Crafts: seit einigen Jahren erlebt Kanada – und das völlig zu Recht – einen enormen internationalen Hype um seine Musikszene. Einerseits hat das natürlich u.a. den positiven Nebeneffekt, dass man bei „Kanada“ und „Musik“ nicht mehr automatisch an Bryan Adams, Celine Dion oder Rush denken muss.

Andererseits gibt es aber natürlich auch großartige kanadische MusikerInnen, die von diesem „Hype“ ausgeschlossen bleiben, obwohl sie schon seit Jahrzehnten zur „Szene“ gehören und sicherlich – außerhalb Kanadas – mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Man denke hier nur an Julie Doiron. Oder eben Hayden Dresser. Letzterer veröffentlichte vor kurzem sein mittlerweile siebtes Studioalbum, ohne dass außerhalb Kanadas jemand groß Notiz davon genommen hätte. Ich muss gestehen, selbst auch kein großer Kenner von Haydens Musik zu sein. In Zeiten des Internets hat man von Millionen Bands und MusikerInnen und auch von Hayden natürlich „schon mal was gehört“. „In Field & Town“ ist jedoch das erste Album, das ich mir tatsächlich in einem Rutsch komplett angehört habe. Und ich muss zugeben: es hat mich sofort gepackt.

Und verglichen mit mir bekannten älteren Songs wirkt das neue Album über weite Strecken geradezu beschwingt. Schon der Opener und Titelsong ist eine sehr entspannte Upbeat Nummer mit fluffigem Basslauf und leierndem Pseudo-Akkordeon Keyboard, die direkt zum Mitwippen anregt. Haydens immer brüchiger und etwas verschlafener Gesang scheint dabei immer etwas hinterher zu hinken und bildet so einen reizvollen Kontrast. Zusammengenommen verspürt man dadurch eine Art von Melancholie, die einen so ähnlich ergreift, wenn man an einem warmen aber noch frischen Sonntagmorgen mit dem Fahrrad durch irgendeine Stadt fährt. Der fast schon Ragtime-artige „The Van Song“ schlägt ähnliche Töne an und überrascht etwa in der Mitte mit wunderbar altmodisch klingender Trompete, die ab da quasi die Gegenstimme zu Haydens Gesang bildet.

„Where and When“ in der zweiten Albumhälfte ist das Zwillingsstück von „In Field & Town“, ergänzt durch die Bläser des Van Songs. Bei „Did I Wake Up Beside You?“ wird es schon melancholischer. Zwar ist der Song ebenfalls recht opulent arrangiert, aber das Tempo wird hier schon stark zurück genommen. Und plötzlich beginnen auch die Inhalte der Texte wieder stärker in den Vordergrund zu treten und man merkt, dass Hayden doch ganz der Alte geblieben ist: “the whole way down you were right / when the wrapping fell from the bow I took flight /oh we started out so nice”. Die Liebe oder was davon übrig geblieben ist beschäftigt Hayden fast immer. Nach der Hälfte von „Did I Wake Up“ lässt Hayden nur noch die Instrumente für sich sprechen und das Lied erreicht eine gänsehauterzeugende Spannung und Intensität, vergleichbar mit Shearwaters „Palo Santo“. Das darauf folgende „Weight Of The World“ oder „Damn This Feeling“ sind auch musikalisch wieder ganz der alte Hayden.

Nur von einer Gitarre bzw. einem Klavier und etwas Mundharmonika begleitet, kommt Hayden seinem großen Vorbild Neil Young hier am nächsten und seine alten Fans werden bei diesen Liedern sicherlich ihre nostalgischsten Momente erleben. Das Hayden aber auch durchaus Humor besitzt, beweist das textlich untypische „Lonely Security Guard“ über einen Wachmann („he looks so mean from afar / and you get up close you’ll see / he could not hurt a flea“), der sich die Zeit mit Origami vertreibt und daher seinen Pflichten nicht recht nachkommt. Mit „In Field & Town“ ist Hayden, ähnlich wie Bill Callahan mit „Woke On A Whaleheart“, etwas geglückt, dass sowohl alte Fans erfreuen, als auch neue Fans überzeugen sollte: Er hat behutsam seinen Sound um einige optimistische und hellere Momente erweitert, ohne dabei an Wiedererkennungswert zu verlieren.
[Christoph Wolf]

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