Gavin DeGraw – Gavin DeGraw



Wenn man das neue Album von Gavin DeGraw in den Player legt, hat man gewisse Erwartungen. Besonders die 2004 veröffentlichte „stripped“ Version seines Debüts “Chariot“ beförderte den 31-jährigen in den Dunstkreis aufstrebender Singer/Songwriter-Talente auf die man ein Auge haben sollte. Knapp vier Jahre später bringt DeGraw jetzt den selbstbetitelten “Chariot“-Nachfolger raus und ab der ersten Sekunde werden die Erwartungen zwar nicht enttäuscht, aber zum größten Teil mittelschwer überrascht.

Der erste Song “In Love With A Girl“ rockt direkt nach vorne und man fühlt sich eher an die neue 3 Doors Down-Platte, als an die zurückgenommene Version des DeGraw-Debüt erinnert. Mit Singer/Songwriter-Attitüde hat “Gavin DeGraw“ fast gar nichts mehr zu tun, dass wird bereits nach den folgenden Stücken “Next To Me“ und “Cheated On Me“ mehr als deutlich. In bester College- oder Modern-Rock Pose singt sich DeGraw durch die zwölf Songs seiner zweiten Platte. Schöne Melodien, prägnante Gitarrenriffs, groovende Pianoparts und seine nach wie vor großartige Stimme (die Vergleiche zu Stevie Wonder kommen nicht von ungefähr) ziehen sich, wie z.B. bei “I Have You To Thank“ oder dem Maroon 5-artigen “Untamed“, durch den gesamten Longplayer – nicht schlecht, nur leider ohne wirkliche und nachhaltige Ecken und Kanten um ins Oberhaus der Songwriterzunft aufzusteigen. Manches (“Cop Stop“ oder “She Holds A Key“) ist einfach zu deutlich auf Airplay gebügelt um zum großen Schlag auszuholen und den sprichwörtlichen Ball aus dem Stadion zu befördern. Wenn DeGraw bei den Songs live einen Gang runterschaltet, kann fast jede Nummer seines neuen Albums sicherlich zu einer großen Bereicherung seiner Sets werden – das Zeug dazu haben sie auf jeden Fall.

Trotz der manchmal vielleicht etwas zu gefällig geratenen Tracks sollte man nicht den Fehler machen und “Gavin DeGraw“ von vornherein als mainstreamiges Rockradiogedudel abtun. Das hätte der talentierte Amerikaner aus den Catskills nicht verdient. Er versteht es catchy und ausdrucksstarke Songs zu schreiben, deren Radiopräsenz ein großer Schritt nach vorne wird, wenn man bedenkt was dort sonst so läuft. Der neue, von Howard Benson (u.a. Motörhead) produzierte, Silberling wird sich schätzungsweise auch in Deutschland nicht schlecht verkaufen, man merkt warum DeGraw – sicher nicht ganz zu unrecht – in den Staaten mittlerweile über eine Million Platten unters Volk gebracht hat und sich etliche Fernsehshows um seine Songs prügeln.

[Sascha Knapek]

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.