Coldplay – Viva La Vida 5


Heute sass ich im Büro und tippte sinnlose Zeilen in den Rechner, als das Radio sich in einem 5 Minuten Beitrag der neuen Coldplay Platte widmete. Hier sprach der verlängerte Arm der Plattenfirma. Ein Volldepp brachte mich nach meinen drei Tagen voller Krampf mit dieser schlechten Platte auf die Palme, indem er von großen Entwicklungen sprach und Viva La Vida mit Joshua Tree verglich. Nun gut, Martin ist vielleicht tatsächlich auf dem Weg zu einem zweiten Bono. Der selbstverliebte Hanswurst, der sorglos im Bombast ertrinkt und einfach keine Songs schreiben will/kann. Das neueste Ergebnis ist musikalisch demnach auch schlicht eine Qual.

Daran ändert sich auch nichts, wenn man beim sonst so nervtötenden Lovers In Japan das zauberhafte Outro entdeckt und zum Abschluß mit dem Doppelschlag Strawberry Swing und Death And All His Friends tatsächlich noch zwei ordentliche Stücke vorgesetzt bekommt. Der Weg bis zu diesem kleinen Hoffnungsschimmer ist viel zu steinig. Fast wie Dante fühlt man sich da, durch die Hölle geschleift und den musikalischen Alpträumen und Enttäuschungen begegnend. Face the truth: Parachutes ist Geschichte. Nur hilft einem hier kein Vergil durch den gekünstelten Brei. Hier bist du einsam und allein. Das ist echte Tragik.

Der Sound der Band wurde hier endgültig zum Abschlachten freigegeben. Ob dieses überproduzierte Stück Mist eine schlichte Geschmacklosigkeit ist oder die Ideenlosigkeit überdecken soll spielt keine Rolle. Immer diese Schlappschwanz-Ausbrüche, die erzwungene Katharsis in jedem einzelnen Song, diese verfickte Kopfstimme und der Bombast. Das war bereits auf X&Y widerlich und wird hier bis zum Erbrechen eingesetzt, vermutlich in statistisch errechneten Intervallen, es muss ja krachen. Da kann man sich auch von einer RTL2 Sendung quälen lassen, in der ständig das Klavierthema von Clocks gespielt wird. Fuck them. Platte bei Ebay verkaufen, dem Chef zu Weihnachten schenken oder in den Müll schmeissen.

[Sebastian Jegorow]


Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

5 Gedanken zu “Coldplay – Viva La Vida

  • Stefan

    Haha, Das ist gut! Vielen Dank für die Warnung. Ich möchte in den kommenden Tagen in das Album reinhören. Bin da aber sehr skeptisch, weil eigentlich jedes ColdplayAlbum nach Parachutes schlecht war.

    Grüßle

  • b

    Wie kann man nur so ein Kunstwerk wie das auf dem Cover sichtbare verschandeln? Was fällt Coldplay eigentlich ein? Im Louvre gibt es das Original zu sehen.
    Achtung Kraftwort an Coldplay gerichtet:
    Aersche!

  • Nikdom

    Oh je, eine weitere „Coldplay waren toll als sie noch keiner kannte – oder hey, Moment: ICH war toll. als ich Coldplay kannte und sonst noch keiner“-Attitüden-Kritik.
    Unfuch, aber man regt sich ja schon nicht mehr auf. Bin bei Leibe kein Coldplay-Fan, aber wer neutral an Viva La Vida herangeht, entdeckt eine Platte, die dem Progrock näher ist als dem Stadionrock. Darauf muss man sich einlassen, und man sollte seine allürischen Feuilleton-Vorbehalte einfach mal ablegen.
    Und auch wenn das Lesen dieser Kritik durchaus spaßig war: Du liegst ziemlich daneben, Sebastian.
    Und der Kommentar von „b“ ist ja nu mal sowas von… dämlich.

  • Bock

    Also ich hab der Veröffentlichung des neuen Albums entgegengefiebert. Gerade nach „X & Y“ und auch den anderen Alben konnte man auf eine gutes Ergebnis hoffen. Nach Parachutes war X & Y für mich die Krönung. Ein Album auf dem wiklich jeder Song gelungen war.
    Mit Viva La Vida ist Coldplay leider genau das Gegenteil gelungen. Bis auf 1-2 Songs ist das Album absoluter Mist. Ständig Irgendwelche nervigen und sich auf der Anlage mies anhörenden Melodiexperimente. Wenn ich nach 3 Jahren langen Wartens so einen Schrott abliefern würde, wäre ich fristlos gekündigt!
    Die Band hätte sich weniger neu erfinden sollen und mit angeblichen Musikgöttern wie Brain Eno herumexperimentieren, als sich Ihren Fans zu widmen und das Abzuliefern weshalb sie gekauft wurden, nämlich gute Musik!

  • m

    ich muss mich da nikdom anschließen. ich verstehe nicht wie man bei diesem album von überproduziert oder stadionrock reden kann. klar ist das album kein experimentelles prog-album, aber für coldplay-verhätnisse, gerade verglichen mit dem letztem grauenhaftem Album, auf das alles zutrifft was du über dieses Album schreibst, doch erstaunlich radiountauglich. was man ja auch an der reaktion über mir sieht, falls derjenige kein fake ist. wie gesagt, es reicht zwar nicht an das grandiose meisterwerk „parachutes“ heran, aber meiner meinung nahc waren sie seitdem nie mehr so gut und soweit abseit des U2-Bombast-Kotz-Stadionrock. In der einzigen hinsicht, in der chris martin auf dem weg zu einem zweiten bono ist, ist in seiner arroganten selbstdarstellung. musikalisch ist er zum glück doch deutlich besser.