Billy Bragg – Mr. Love & Justice



Ohne Frage, die letzten sechs Jahre ohne reguläres Billy Bragg-Studioalbum boten mehr als genug Material für den britischen Protestbarden um neue Songs zu schreiben.

“Mr. Love & Justice“ ist die insgesamt zwölfte (wenn man die beiden mit Wilco aufgenommenen und aus Songfragmenten von Woody Guthrie bestehenden “Mermaid Avenue“ Alben berücksichtigt und von diversen Compilations absieht) LP des mittlerweile 50-jährigen Engländers. Die im Titel präsenten Schlagwörter Liebe und Gerechtigkeit sind wie gewohnt Längen- und Breitengrad von Bragg’s musikalischem Koordinatensystem. Seit je her drehen sich die Themen des Songwriters entweder um die ewig neue Auseinandersetzung mit dem Komplex der zwischenmenschlichen Beziehungen oder die Thematisierung politischer Ungerechtigkeiten und Unzulänglichkeiten dieser Welt. Die Ende Februar veröffentlichte Platte macht da keine Ausnahme – sie ist vielmehr das Paradebeispiel des Bragg’schen Kanons.

Die zwölf Songs auf “Mr. Love & Justice“ funktionieren in diesem Dunstkreis von intimer Zwischenmenschlichkeit und artikuliertem Protest perfekt. Love bekommt u.a. mit “M For Me“, “Something Happened“ und dem herzzerreißenden “If You Ever Leave“ würdige Vertreter; um Justice dreht es sich z.B. bei “The Beach Is Free“, “Sing Their Souls Back Home“ und dem demaskierenden “O Freedom“. Thematisierte Bragg in den 80ern oft die Kehrseiten des Thatcherismus, besingt er im neuen Jahrtausend die Verfehlungen des angelsächsischen Tandems Bush/Blair und deren Konsequenzen. Wer die Wahl hat, sollte sich unbedingt die Deluxe-Edition des Albums zulegen; der regulären, von den Blokes begleiteten Disc, liegt darin eine weitere bei, auf der Billy Bragg seine Songs in der ihm typischen Art – zumeist nur mit E-Gitarre – vorträgt. Konkurrenzlos!
[Sascha Knapek]

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