Death Cab For Cutie – Narrow Stairs 2



So viel vorweg: wer in gut sieben Monaten die persönlichen Jahrescharts bastelt, wird während seiner Überlegungen definitiv nicht um das neue Death Cab For Cutie-Album herumkommen. “Narrow Stairs“ begeistert und spaltet gleichermaßen.

Wer es schafft sich auf die enthaltene Musik zu konzentrieren und vergisst (oder noch besser, sich gar nicht erst um so versnobbte Gedankengänge kümmert), dass die Band aus dem US-Bundesstaat Washington den elitären Zirkeln indieorientierter Kordhosenträger seit längerem entwachsen ist – und deshalb in diesen Kreisen bestimmt schon vor dem ersten Hören als mittlerweile „uncool“ abgetan wurde –, bekommt elf Songs die vor lauter Genialität und Liebe nur so HÖR MICH schreien und dich als perfekter Soundtrack durch legendäre Nächte begleiten werden.

Nach dem etwas zu poppig und gefällig geratenen Vorgänger “Plans“ haben Death Cab For Cutie mit “Narrow Stairs“ wieder in die Spur zurückgefunden – der verschachtelte Lyriker “Bixby Canyon Bridge“ ist dafür gleich zu Anfang der beste Beweis. Die Affinität von Death Cab-Texter Benjamin Gibbard für den Beat-Poeten Jack Kerouac schimmert bei dem während eines Big Sur-Trips geschriebenen Song an diversen Ecken durch und wird ähnlich genial vom achteinhalbminütigen Epikmonument “I Will Possess Your Heart“ gefolgt. Die komplexen Soundlandschaften des nordamerikanischen Vierers entfalten sich nicht immer bei Hördurchgang Nummer eins – Gegenbeispiele wären z.B. der eingängige Pophammer “No Sunlight“ oder die Rockkeule “Long Division“–, wer dem Longplayer jedoch die Zeit und die Durchgänge zugesteht die er braucht, wird großartig belohnt.

Das siebte Studioalbum der Herren Chris Walla (der hier übrigens auch als Produzent fungiert), Benjamin Gibbard, Nicholas Harmer und Jason McGerr wird auf Dauer ein zentrales im Backkatalog der Band sein, da bin ich mir sicher. Stücke wie das musikalisch behutsame und textlich zerschmetternde “Grapevine Fires“, das mystische “Pity And Fear“, “Cath…“ mit seiner prägnanten Melancholie und die wundervolle Abschlusselegie “The Ice Is Getting Thinner“ werden dafür sorgen. Elf Jahre nach ihrer Gründung haben Death Cab For Cutie eine Platte herausgebracht, die mit dem Albumcover von EE Storey einen weisen Begleiter an die Seite bekommen hat – “Narrow Stairs“ ist ein nuanciertes, facettenreiches und dichtes Tonmosaik geworden, Storeys vom Blauen ins Rote transzendierende Cover öffnet dabei freundlich die Tür.

Also, nicht blenden lassen von den selbsternannten Indiejüngern und Platz 1 in den Billboard 200. Genau so wie man seine Finger, oder besser gesagt Beine, von knallengen und von debilen Stilpäpsten angepriesenen Hosen lassen sollte, sollte man sich nicht von elitären Möchtegernen den Spaß an Death Cab For Cutie nehmen lassen. “Narrow Stairs“ ist ein Monsteralbum geworden, etwas für die Ewigkeit, etwas gebündelte Kunst im oft so leeren Raum der Alternativecharts, etwas das man auch dann noch gerne aus dem Plattenschrank holt, wenn Kalla und Lalla ihre blutabschnürende Möchtegernmode auf dem Altar des Zeitgeists schon längst verbrannt haben. Viva Death Cab For Cutie! [Sascha Knapek]


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2 Gedanken zu “Death Cab For Cutie – Narrow Stairs

  • danny

    Feines Review mit schönen Satzkonstruktionen.

    Wer ein Exemplar dieses großartigen Albums gewinnen möchte, kann sein Glück gern hier bei mir probieren.

    Bestes,
    der Herr B.

  • Nikdom

    Kann mit NS gar nix anfangen, aber nach dieser gut geschriebenen und erfreulich argumentativen Kritk werd ich dem Album zumindest noch mal die Chance geben, mir zu gefallen. Danke dafür.