Six Feet Under 2



Zunächst fängt alles mit dem Tod an. Jemand stirbt. Beim Müll Rausbringen, exzessiver Masturbation, einem Arbeitsunfall oder wobei auch immer ihn der Tod gerade erwischt. Er ist nun einmal profan und achtet selten auf große Heroik, Sinn oder den Pathos des einen unausweichlichen Moments. Und er ist der Ausgangspunkt der Six Feet Under Folgen, in denen der Plot und die Geschichte der Bestatter-Familie Fisher entwickelt wird.

Im Mittelpunkt steht in den fünf Staffeln der Serie, die zwischen 2001 und 2005 in Amerika ausgestrahlt wurde, stets die Familie Fisher. Der homosexuelle David, der Frauenheld Nate, die leidgeplagte Mutter Ruth und die schlichte Frage was eine Familie tut, die jeden Tag mit Bestattungen konfrontiert wird und plötzlich den Tot eines Mitglieds überstehen muss. Dass die Figurenzeichnungen alles andere als stereotyp sind, findet der Zuschauer erst im Laufe der Zeit heraus. Die Figuren, die mit den Todesfällen konfrontiert werden, setzen sich mit diesen auseinander. Führen Dialoge mit den Verstorbenen und projizieren ihre Sorgen und Ängste in diese Auseinandersetzung.

Die HBO-Serie, die Emmy Awards und Golden Globes in allen möglichen Kategorien abräumen konnte, wurde von Alan Ball (American Beauty) entwickelt, produziert und zum großen Teil geschrieben. Hinzu kamen immer wieder Gastregisseure und Schreiber wie Craig Wright (Lost) hinzu. So entstand eine Serie, die selbst in den wenigen Schwächephasen unheimlich spannend und interessant ist. In der dritten und vierten Staffel verläuft sich die Story leider hin und wieder und leidet an manchen Stellen unter dem übertriebenen Einsatz von Visionen, Alpträumen und Drogentrips, die einander fröhlich jagen und die Story platter wirken lassen. Nachdem die Pilotfolge noch in Videoclip-Ästhetik abdriftet, verzichtet die Serie im weiteren Verlauf glücklicherweise fast komplett auf den übertriebenen Einsatz der Indiehits, die für US-Serien in den vergangenen Jahren so typisch waren. Nur hin und wieder tritt ein Song wie Death Cab For Cuties „Transatlanticism“ oder SIAs „Breathe Me“ an prägnanten Stellen in den Vordergrund.
Es ist fast schon beängstigend dieser US-Fernsehproduktion in Hochglanz so viel Hilfe, Weisheit und Liebe abzugewinnen und sich von der großen Dramatik so mitreissen zu lassen. Um einen IMDB-Kommentar zu der Serie zu zitieren: „I have never been that attached to the boob-tube (my father‘s word for the television) before. I have never had a reason to be. The programs that where on never more that mildly held my attention until now.“

Eine Familiensaga, ein 50 Stunden langer spannender Film, eine Studie über den lauernden Tot, Altern, Trauer und die Vergänglichkeit, die im Laufe der fünf Staffeln mit kindlicher Naivität beginnt, eine pubertäre Trotzphase durchläuft und zum Schluß mit unfassbar großer Weisheit und Gelassenheit endet und keine Fragen offen läßt. American Beauty im Hinterkopf behaltend – Alan Balls Meisterstück.


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2 Gedanken zu “Six Feet Under