Shortbus



Das US-Kino strotzte in den verganenen Jahren nur so vor erigierten Schniedeln. „9 Songs“, „Romance“, „Lie With Me“, „Intimacy“ und so weiter und so fort. Ein um´s andere mal ging es mehr oder weniger zentral darum den Penis – selbstverständlich völlig natürlich und nebensächlich – in Aktion darzustellen. Auf den ersten Blick ist Shortbus mal wieder einer dieser Filme.

Bei der Rezeption fällt jedoch auf, dass die explizite Darstellung der Sexualität hier keinesfalls etwas mit einem Spiel mit Grenzen oder dem Versuch zu provozieren zu tun hat. Zu zentral sind bei Shortbus die Geschichten der Figuren, die die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich lenken und das fröhliche Pendeln der Körperteile zur Nebensache werden lassen. Mitchell, dem bereits mit „Hedwig And The Angry Inch“ ein wundervoller Film über Identität und sexuelle Verwirrung gelang, präsentiert uns hier (repräsentativ) die Geschichten einiger liebenswerter Menschen und ihrer teils sonderbaren Sexualität.

Unterschiedliche Fetisch-Richtungen, Orgasmus-Probleme, Beziehungsstress und immer wieder die freie Liebe im oder außerhalb des Shortbus. All das völlig ohne nervige Hippieattitüde und mit einigen bewegenden Zitaten und Momenten, die lange Zeit danach noch nachwirken. Die Begriffe Homo- und Heterosexualität gibt es in dem Mitchell-Universum nicht. Auf diese Art erhalten wir ein Portrait der Liebe, Sexualität, Krankheit, Angst…dem gegenwärtigen Leben eben. Ehrlich, natürlich und herzerwärmend.
[Sebastian Jegorow]

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