Sarah Bettens – Shine



Einige von euch kennen Sarah Bettens sicherlich noch als Sängerin, der speziell in den 90ern sehr erfolgreichen belgischen Musikgruppe K’s Choice. Gemeinsam mit ihrem Bruder Gert bildete Sarah das Herzstück der Band, die sich 2003 auflöste. Seitdem begehen beide Bettens-Geschwister Solopfade. Ende 2007 erschien Sarahs zweites vollständiges Soloalbum namens „Shine“ und schlug in Belgien noch vor der offiziellen Veröffentlichung ein wie eine Bombe. Zusammen mit der belgischen Tageszeitung Den Morgen entschloss sich Bettens nämlich dazu „Shine“ am 13. Oktober kostenlos in die Ausgabe der Zeitung hineinzulegen. Ein mutiger und spannender Schritt, der zwar bei Bettens Plattenlabel alles andere als Verzückung hervorrief, die Auflage der Zeitung an diesem Tag jedoch fast verdoppelte.

Sarah Bettens zweiter Longplayer beherbergt zwölf Songs, die speziell von einem Instrument geprägt werden, ihrer Stimme. Unverwechselbar rau, ausdrucksstark und trotzdem gebrechlich und warm tragen die Vocals zum Beispiel das Titelstück „Shine“, den rockigen Opener „I Can’t Get Out“ oder das ruhige „Just Another Day“. Drei Songs, die Bettens Können prefekt repräsentieren. Sie kann abgehen, einen geborgen in den Schlaf singen und mid-Tempo Nummern singen, die auf Tage hinaus nicht aus dem Ohr gehen, ohne die Schwelle zum Nervigen zu überschreiten. Wie schon bei K’s Choice prägen neben dem Organ von Sarah Bettens die Gitarren den Sound von „Shine“. „Feel Me Break“ summt immer wieder einige Sekunden bevor es ausbricht und in die Saiten gelangt wird. „Driving Alone“ ist ein ebensolches Stück, das mit der Langsamkeit und Schnelle und der Wärme und der Wucht von Gitarren spielt. Ein reizender Gegensatz von laut und leise, Wut und Erleichterung. Unterbrochen wird alles von stillen, aber niemals braven, Popsongs. „Rescue Me“ und „Pave The Way“ sind dafür als besonders positive Beispiele zu nennen.

Einen kleinen Kritikpunkt muss ich allerdings auch noch loswerden. An manchen Stellen – ich gebe zu, dass diese kurz und selten waren – spukte mir der Gedanke durch den Kopf ein paar Avril Lavigne-Momente zu hören. Besonders „Put It Out For Good“ (und kleine Teile von „Coasting Speed“) nerven mit dieser Rock-Gören-Penetranz a la Lavigne. Via Skip-Taste kann man sich von diesen finsteren Gedanken glücklicherweise lossagen und die restlichen zehn Stücke ungestört genießen.

Im Dezember stellte die Songwriterin „Shine“ auch auf ein paar deutschen Bühnen vor. Wer sie verpasst hat, bekommt möglicherweise in diesem Jahr erneut die Chance. Laut Bettens ist für 2008 nämlich eine Akustiktour geplant. Man darf sich also freuen und gespannt sein was die in den USA lebende Belgierin bei dieser schönen Idee so aus dem Hut zaubern wird. Diverse „Shine“-Songs, die wie gemacht wären für solch eine intime Atmosphäre hätte Frau Bettens. Besonders die wunderschönen und eindringlichen „It’s Alright“ und „The Soldier Song“ und deren zurückgenommene, unaufdringliche Instrumentierung dürften sich für ein tolles Abenteuer dieser Art sehr gut eignen. Die größte Stärke der 35-jährigen, ihre charakteristische Stimme, würde solch ein Setting sicherlich perfekt in Szene setzen.
[Sascha Knapek]

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