Ringo Starr – Liverpool 8



Bei jeder Soloplatte eines Ex-Beatles stellt sich vorab die gleiche Frage: Was wird das nun? Erwartet mich nun uninspirierte Altherrenmusik wie einige Paul McCartney Platten oder ein kreatives Meisterwerk wie Ringo Starrs „Ringorama“, die frühen George Harrisson Zauberstücke oder McCartneys „Flaming Pie“?

Die Zeile „I was a sailor first“ leitet den Hörer in dieses neue Soloalbum von Ringer Starr ein. Dem folgt eine sonderbare Flöte und der Kopf des Hörers sinkt reaktionsartig in den Arme. Verstaubte Altherrenmusik, die man höchstens betrunken in einem Irish-Pub hören möchte. Was sich wie eine Tortur ankündigt, entpuppt sich jedoch bereits wenige Sekunden später als ein toller Popsong. Der Titeltrack, der so widerlich begann, ist in Wirklichkeit nämlich verdammt catchy.

Eine Verbeugung vor der Vergangenheit und all so Dinge. Doch im Grunde genommen beweist Ringo Starr hier hauptsächlich, dass er zu unrecht oft im Schatten der anderen Beatles stand.
Und der Rest der Platte? Was Ringo Starr mithilfe von Dave Steward und dem Produzenten Mark Hudson zusammenschustern konnte, das kann sich hören lassen. Da wären einige weitere Songs wie „Tuff Love“, die ihren gesamten Charme nach 2-3 Durchgängen entfalten oder Hits wie „Harry´s Song“ oder „If It’s Love That You Want“, die sofort greifen. Und wer sich an den Songs mal satthören sollte, der kann es sich zur Aufgabe machen die Referenzen zu den Beatles zu suchen. Das Ringo Starr mit dem Zeitgeist gegangen ist, merkt man höchstens an der Möglichkeit Klingeltöne des Musikers über seine Homepage zu bestellen. Die Produktion der Platte wirkt wieder klassisch und verzichtet auf modernen Schmu. Und das ist in dem Fall gut so.

Natürlich glänzt hier nicht alles. Einige Stücke wie „Gone Away“ wirken abgemüht und wollen nicht wirklich zünden. Der 56jährige Musiker schafft es trotzdem mit „Liverpool 8“ eine interessante Popplatte abzuliefern, die ihre unschönen Ecken und Kanten mit einigen kreativen Ideen gut verdecken kann. So kann man die Ausgangsfrage nach einigen Durchgängen mit „Altherrenmusik der besseren Art“ beantworten.
[Sebastian Jegorow]

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