Musik aus Österreich 2



Soap&Skin

Eine blutjunge (17 Jahre) Musikerin aus dem Südosten Österreichs macht Musik, dass es einem die Haare aufstellt – gruselig schön. Sie heißt Anja Plaschg und schon als Kind nahm sie Klavier- und Geigenunterricht. Sie kaufte sich einen Laptop und machte sich schlau, wie man mit digitalen Mitteln Musik macht. Klavier, Geige und Gesang dazu gemischt und Soap&Skin war entstanden.

Ihre Stücke – unter anderem mit quietschenden Schweinen vom elterlichen Hof im Hintergrund – haben das gewisse Etwas. Einzig das deutsche Label Shitkatapult hat das auch so gesehen, denn sämtliche österreichische Labels waren offenbar nicht angetan von den Tönen Soap&Skins. Shitkatapult veröffentlichte auf der STRIKE75 EP auch den ersten Song von Anja Plaschg – mit dem Titel Mr. Gaunt PT 1000.

Auf der minimalistisch kreativ gestalteten MySpace-Seite von Soap&Skin kann man dieses sowie zwei weitere Lieder anhören. Die MySpace-Seite bleibt – neben den viel zu seltenen Liveauftritten – auch das einzige Instrument, an dem wir uns an dieser Musik erfreuen dürfen. Angebote für eine Aufnahme gibt es zwar schon (von namhaften Plattenfirmen), jedoch sollte dieses so zerbrechlich wirkende und klingende Mädchen nichts überstürzen. Diese Angebote werden bestehen bleiben und vermutlich auch noch besser werden. So wie die Musik dieser Ausnahmekönnerin immer besser wird. Das letzte, hinzugefügte Stück auf MySpace „Spiracle“ lässt zumindest auf eine großartige LP hoffen. Wie die von einem Kind klingt ihre zarte Stimme und wird immer wieder vom zauberhaften Klavierspiel eingeholt. Einer der ersten Fans und auch Begleiter von Soap&Skin ist übrigens Fritz Ostermayer von Radio FM4 (www.fm4.at). In der Sendung „Im Sumpf“, die er zusammen mit Thomas Edlinger jeden Sonntag ab 22 Uhr moderiert, war Anja Plaschg schon im Herbst 2006 zu Gast. Dank Soap&Skin kann Österreich jedenfalls stolz auf die hiesige Musikszene blicken und auf mehr hoffen!!

The Staggers
Die Grazer/Wiener Band gibt es schon seit 2002. Damals trafen sich sechs Freaks und wollten Musik machen. Dabei herausgekommen ist etwas, das sich „garage house/surf“ nennt und durch die Farfisa Orgel stark an die 50er und 60er Jahre erinnert. 2007 haben The Staggers ihr „Teenage Trash Insanity“ herausgebracht, nachdem sie zuvor einige Schallplatten – teilweise in Eigenproduktion – aufgenommen hatten.Jahrelang sind The Staggers durch Europa getourt, hartnäckig, um vor allem den jungen Menschen echten 60’s Sound näher zu bringen. Die White Stripes, Mando Diao und sämtliche andere Bands sind laut Sänger Wild Evel eher „normale Rockbands, die nach 70’s Rock klingen.“ Wild Evel ist die Person, die The Staggers hauptsächlich ausmacht – mit seiner markanten, schwarzen Hornbrille, den hautengen Hosen und den Schuhen, die, eigenen Angaben nach original aus den 60ern sind. Typisch für The Staggers sind auch die Cartoons, die Wild Evel selbst konstruiert.

Einmal gesehen – nie mehr vergessen. Es kann passieren, dass diverse Kleidungsstücke am Ende des Konzerts nicht mehr dort sind, wo sie zu Beginn waren. Selbst erlebt habe ich The Staggers schon zig Mal und auch das Gefühl, mit The Staggers auf der Bühne zu stehen durfte ich genießen. Die „Girlies“ dürfen nämlich ab und zu auch zu ihnen auf die Bühne kommen um Tambourin zu spielen oder einfach nur abzushaken. Schweißgebadet beendet man die Konzerte von The Staggers – wer das nicht tut, hat vermutlich nichts für garage house/surf übrig.

Go Die Big City!
Go Die Big City! kommen eigentlich aus dem Bundesland Kärnten, gefunden und formiert haben sie sich jedoch in der Hauptstadt – in Wien. Die Musik erinnert sehr an Architecture In Helsinki und tatsächlich gibt es Parallelen zur australischen Kombo. Blockflöten gehören zu Go Die Big City! wie Gitarren zu Oasis. Bei vollständiger Besetzung stehen acht Personen auf der Bühne und laut ihrer MySpace Seite mögen sie es „rather loud than right“. Und acht Personen können ganz schön laut sein und ihr Powerpop ist einfach mitreißend. Go Die Big City! klingen so, als hätten sie die größte Freude am gemeinsamen Musizieren und das vermitteln sie mit ihrer Musik bestens. Man fühlt sich wohl beim Hören und würde am liebsten mit ihnen musizieren.
Auf ihrem Label seayourecords haben Go Die Big City im Jahr 2005 eine 7’’ unter dem Titel Go Spiders Go veröffentlicht.

LE TAMTAM

Le TamTam kommen auch aus dem Großraum Graz und bewegen sich auf der Elektro/Trash/Punk-Rampe. Mit Alfred – Andy – Schwarzbauer von Feinkost Royal (www.feinkostroyal.com), der zuvor schon mit außergewöhnlichen Platten als DJ aufgezeigt hat und Ma-Riot haben sich eindeutig zwei gefunden, die von Tekno bis Disko und von Trash bis New Wave alles auf Lager haben.

Vorstellen kann man sich das in etwa so: man steht in einem gefüllten Raum und es ist mucksmäuschenstill. Zwei gut aussehende junge Herren betreten die Bühne mit ernster Miene. Der eine – Andy – hebt den Arm und just, als er ihn mit einer schnellen Bewegung abwärts bewegt, ertönt ein vom Synthesizer verzerrtes Geräusch und die Masse beginnt zu tanzen und damit wird nicht aufgehört, bis die beiden gut aussehenden Herren die Bühne (endgültig) wieder verlassen. Wenn man die Musik weglässt und sich ein Bild vom Publikum macht, kommt man sich in die 80er zurückversetzt vor. Man sieht grell-glitzernde Leggins mit langen, gepunkteten Pullovern darüber, neonfarbene Stirnbänder und was die 80er sonst noch alles hervorgebracht haben, auch Kleidung, die zwar retro sein mag, aber noch lange nicht gut aussieht.

Le TamTam jedenfalls machen die Musik zu diesem Bild und sie machen es verdammt gut.

Binder & Krieglstein
Was nach einer Zwei-Personen-Formation klingt, besteht aus nur einer (Haupt-) Person – Rainer Binder-Krieglstein – und vielen Beteiligten.
Beispielsweise hat Rainer Von Vielen dem Lied „Alles Verloren“ seine Stimme geliehen. Die Sängerin Makki ist auf den meisten Stücken des 2007 erschienenen Silberlings ‚Alles Verloren‘ zu hören. Binder & Krieglstein steht vor allem für Pop, Folk und immer wieder Elektro. Alles Verloren ist bereits das dritte Baby des Schlagzeugers aus Graz und beinhaltet einige Ohrwürmer, wobei sich die deutsche und die englische Sprache die Waage halten.

Mit „Wir Wissen Nicht (Shantel Remix)“ erreichte Binder & Krieglstein auch internationale Bekanntheit, da der Song auf vielen Compilations weltweit gelandet und mit Sicherheit auch eine der besten Veröffentlichungen des Musikers ist.
Live ist bei Binder & Krieglstein mit allem zu rechnen, da man nie weiß, welche Gastmusiker mit dabei sind und was dann dabei rauskommt. Auf jeden Fall ist dieser eigenwillige Typ – Rainer Binder-Krieglstein – ein hervorragender Musiker und hat seine eigene Art gute (österreichische) Musik zu machen.


Mauracher
Mit Mauracher bewegen wir uns in eine andere Richtung als wir sie zuvor bei Soap&Skin eingeschlagen hatten. Alternativ/Pop steht auf ihrer MySpace-Seite. Wenn man sich jedoch die Lieder des neuen Silberlings anhört, erkennt man mehr dahinter. Neben elektronischen Einflüssen, kommen auch Gitarre und Schlagzeug nicht zu kurz.

Hubert Mauracher kommt aus dem Zillertal (Tirol), wohnt seit Ende der 90er in Wien und macht seit seinem 17. Lebensjahr Musik. Mit seiner Band Mauracher hat er im Jänner 2008 eine neue Scheibe herausgebracht. „Loving Custodians“ heißt das gute Stück und wie es sich für einen Vollblutmusiker gehört, hat Hubert Mauracher alle 12 Songs selbst komponiert.

Nach 29 Degrees (2003) und „Kissing My Grandma“(2005) ist Loving Custodians (Aufseher) die bereits dritte Veröffentlichung von Mauracher und dank Universal Music waren Mauracher mit den Sofa Surfers 2006 auf Europatournee.

Am FM4=13 – Fest am 19. Jänner 2008 standen neben Nada Surf auch Mauracher auf der Bühne und konnten ihre Livequalitäten bestätigen. Ich war im Publikum und war jedenfalls begeistert von dieser österreichischen Band, die eigentlich schon zu den „alten Hasen“ im Musikgeschäft gehören. Nach der Erscheinung ihrer neuen LP im Jänner 2008 wird es wieder eine Tour geben (nähere Infos auf www.mauracher.net), die die Band hoffentlich auch nach Deutschland verschlägt.

Einige Hörproben von Mauracher findet ihr hier.

Guadalajara
Guadalajara sind wahrscheinlich DER Exportschlager Österreichs, was Ska anbelangt. Die achtköpfige Band aus dem Südosten der Alpenrepublik hat sich durch Auftritte auf zahlreichen großen (österreichischen) Festivals und unendlich scheinenden Touren (im Moment in Osteuropa) eine große Fangemeinde erspielt. Mit dem Ska-Cover von Bob Geldolfs „I Don’t Like Mondays“ (2003) fiel Österreich erstmals vor Guadalajara auf die Knie. Das war genau das, was fehlte: eine engagierte, junge Band. Seit Guadalajara sind auch Trompeten, Posaunen und sonstige Blasinstrumente in Österreich wieder „in“.

Die 1999 gegründete Band veröffentlicht im März 2008 „Weapons Of Mass Seduction“ und feiert internationale Erfolge. Die energiegeladenen Liveauftritte in bester Ska-Manier überlebt man schweißgebadet und mit dem guten Gewissen, dass die Eintrittskarte ihren Preis wert war.

[Katharina Gsell]


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