Feist – The Reminder



Als „The Reminder“ im letzten Jahr erschien, hatte jeder etwas zu Leslie Feist zu sagen: Blogs, das Feuilleton und nun endlich auch wir. Man hat den Eindruck, dass das, was Joanna Newsom vor knapp 1½ Jahren war, nun Leslie Feist ist. Nicht, dass sich die beiden so furchtbar ähnlich klingen würden. Die Komplimente über sie tun es aber: Kompromisslose, wünderschöne Stimme. Von der Begleitmusik wunderschön in Szene gesetzt.

Gut, es stimmt; die manchmal zuckende, manchmal anschmiegsame und manchmal neckige instrumentale Rahmenbildung bringt die Stimme der 32jährigen Kandierin bewundernswert zur Geltung. Und das hätten wir so wohl auch über Joanna Newsom sagen können. Um aber Newsom endlich aus dieser Renzension heraus zu bekommen sei der Unterschied genannt, der den viel zu oft benutzten Vergleich dieser beiden so falsch macht: Newsom spielt mittlerweile auf ihren Platte genauso Theater, wie sie Musik macht. Schminke aufgetragen und große Gesten machend. Das macht die wesentliche genügsamere Feist nicht.

Was nicht heißt, dass die Platte nicht ihre Überraschungsmomente hat, die über den bisherigen Feist-Kosmos hinausgehen. „Sea lion woman“ kommt ungelenk funkig daher und bietet am Ende fast so etwas wie ein Gitarrensolo. Das hat es bei Feist noch nicht gegeben. Nach diesem Track, der die Mitte des Albums bildet, geht es dann auch lockerer daher. „*Past in present*“ klatscht sich den sprichwörtlichen Wolf und der tanzende Gesang zu verspaßten Bläsern und ausgelassenem Klaviergeklimper im schon angesprochenen „One Two Three Four“ gibt der Platte seine abgedrehtesten Momente. So bildet man erfrischende Gegenpunkte zu den zaghaft hingehauchten Highlights wie „Brandy Alexander“.

Diese Momente sind es auch, die „The Reminder“ nicht nur zu einem richtig guten Album machen, sondern auch gleichzeitig zum besten, was Feist bisher hervorgebracht hat. Ohne das Schöne zu verlieren ist Feist quirliger, vielschichtiger und unberechenbarer geworden. Wo soll das noch hinführen?
[Doreen Spange]

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