Dirtmusic – Dirtmusic



“With a name like ‘Dirt Music’ you better be damn good!” So sinniert Dirtmusic-Mitglied Chris Eckman (The Walkabouts, Chris & Carla) augenzwinkernd über den Namen und das Schaffen des „All-Star“-Trios, das Ende November bei ’Glitterhouse’ sein erstes gemeinsames Album veröffentlichte. Neben Eckman sind das Hugo Race (True Spirit) und Chris Brokaw (Codeine, Come). Drei Meister ihres Faches, die sich auf „Dirtmusic” die songschreibende Frontmannrolle brüderlich teilen und einen melancholisch-düsteren Soundtrack zur faszinierenden Fahrt durch eine Wild-West Geisterstadt kreieren.

Die Einfahrt in diese Stadt beginnt mit einem Blick ins Ungewisse. Das Instrumental „Erica Moody“ (Brokaw) gibt uns das verwitterte Ortsschild und startet die beschauliche Fahrt durch die lebendige Vergangenheit. Eingebettet in die verlassene und melancholische Gegenwart geht es mit Chris Eckman’s Song „The Other Side“ weiter – jede Ecke, jede Kurve, jede Strophe fördert neue Bezugspunkte zu Tage. Bei „Sun City Casino“ (Race), „Face Of Evil“ (Brokaw) und „The Returning“ (Eckman) geht es einem ähnlich. Die Erinnerungsmelancholie zieht uns mit dezentem Banjo, prägenden Gitarrenvariationen, angedeuteter Elektronik und den geisterhaft schönen Stimmen der drei Songschreiber in seinen Bann. Bei „Still Running“ (Race) möchte man zum ersten Mal wieder raus aus der Geisterstadt und zurück auf den staubigen Highway Richtung Pazifik. Allerdings ist die melancholische Rundfahrt und der musikalische Streifzug noch nicht vorbei. „Ballad Of A Dream“ ist die epische Traumsequenz, die die schlichte Länge von über sieben Minuten bereits ankündigt. „No More Sorrow“ (Race) ist die Epiphanie und “Wasted On” (Eckman) das Ortsausgangsschild. Man lässt die verlassene Stadt hinter sich und ist fasziniert von der gespenstisch-andächtigen Stimmung die Eckman’s, Race’s und Brokaw’s Musik verbreitet.
„Dirtmusic“ ist das musikgewordene Äquivalent eines fesselnden Road-Movies, dessen Drehbuch von Sam Shepard geschrieben wurde. Jeder der drei Musiker steuert einen Teil zum Gelingen bei. Blues (Hugo Race), Slow-Core (Chris Brokaw) und Folk & Americana (Chris Eckman) – aber niemand ist für etwas alleine zuständig, jeder bedient sich beim Anderen und alle schrecken auch nicht vor der bereits erwähnten, angedeuteten Elektronik zurück. Mit dem Closer – das Tim Rose-Cover „Morning Dew“ – beginnt ein neuer Streckenabschnitt, ein neues Abenteuer wartet bereits hinter der nächsten Kurve.

An kleinen Stellen erinnert mich „Dirtmusic“ an eine andere großartige „All-Star“-Combo aus dem Hause ’Glitterhouse’. Anno 1993 veröffentlichten Krite (Christopher Uhe von Sharon Stoned) und Schneider (Hip Young Things) unter dem Namen Locust Fudge ihr Debüt „Flush“. Wenn man jetzt Dirtmusic-Nummern wie „Summer Days“ oder „Panther Hunting“ – beide aus der Feder von Chris Brokaw – so hört, fällt einem gleich wieder ein, dass es solch tolle Alben irgendwie nur auf Glitterhouse gibt. Dafür besten Dank, liebes Label!
[Sascha Knapek]

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.