David Ignatow


Die Literaturkritik und die Arbeit der Verlage sind stets gnadenlose Biester. Elitär wird hierbei beurteilt welche Werke überleben sollen und welche mit der Zeit dem Schicksal erleiden dürfen langsam zu erlischen und in Vergessenheit zu geraten. Diese Filterinstanz hat sicherlich viele positive Aspekte. Das Prinzip schlägt jedoch fehl, wenn Autoren und Dichter übersehen werden. David Ignatow ist einer dieser unzähligen Dichter, die tragischerweise langsam in Vergessenheit geraten. Seine Werke kann man selbst in Amerika teilweise nur noch in Antiquariaten erhalten und die Suche nach verstaubten Ausgaben seiner Gedichtbände in deutschen Bibliotheken ist eine enttäuschende Schnitzeljagd.

David Ignatow ist ein Kind New Yorks. Nach seiner Geburt im Februar 1914 in Brooklyn verbrachte er fast sein gesamtes 83 Jahre langes Leben in New York. Mehrere Jahre lang versuchte er als klassischer Businessman seinen Unterhalt zu verdienen, um sich am Ende der Lyrik und der Laufbahn als Professor zu widmen. Neben einiger Einsätze an der University of Kentucky (an der seine akademische Laufbahn begann) und Kansas, unterrichtete er lange Zeit am York College und der University of New York. Zudem war er knapp fünf Jahre lang Präsident der Poetry Society of America.

Insgesamt veröffentlichte David Ignatow knapp 20 Gedichtbände, von denen insbesondere „Facing the Tree“ (1975), „Shadowing the Ground“ (1991) und „I Have Name“ (1996) mit viel Lob bedacht wurden. Für sein Gesamtwerk erhielt er immer mal wieder Auszeichnungen wie den John Steinbeck Award oder 1977 den Bollingen Prize. Im Rückblick auf sein Schaffen als Dichter erhalten wir einen reichen Korpus. Stets präsent ist hierbei die Technik Walt Whitmans. Ein intelligentes Spiel mit Wiederholungen und parallelen Strukturen, das beim Leser seine Wirkung nicht verfehlt. Zentral ist meist das eigene Ich, Selbstreflektion, die ehrlichen Einsichten und der Blick auf das Leben. Ereignisse wie der Tot seiner Frau, Einsamkeit oder die Besuche im Krankenhaus bei seinem Sohn, der unter Schizophrenie litt, beeinflußten ihn hierbei vereinzelt und können in seinen Gedichten wiedergefunden werden.

Bei einem Blick auf seine Arbeit findet man in seinen Gedichten immer mehr Elemente der Prosa. Sowohl thematisch, als auch in seiner Technik kam es bei seiner Arbeit im Laufe der Zeit zu Verschiebungen und kleinen Veränderungen. Zum Ende seines Lebens kreisten seine Gedichte immer öfters um das Sterben. Einen großen Teil der Gedichte findet man in dem posthum erschienenen Band „Living Is All I Wanted, Last Poems“ (1999). Immer häufiger findet man Rückblicke auf das Leben. Was am Ende des Lebens übrig bleibt sind Zeugnisse eines Lebens. Hunderte von persönlichen Gedichten. Beeindruckende Lyrik. Wer sich mit dieser beschäftigen möchte, findet im Internet zahlreiche Spuren und Möglichkeiten an die Gedichtbände zu kommen. Leider werden diese wohl jedoch – insbesondere in Europa – immer seltener.

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