Braddigan – The Captive



Braddigan, bestehend aus Frontmann Brad Corrigan, Bassist Tiago Mechado und Percussionspieler Reinaldo de Jesús, haben ein neues Album aufgenommen und im Oktober des letzten Jahres unter dem Namen „The Captive“ veröffentlicht.

Gleich das erste Lied „Valeu Valeu“ kommt mit bisher ungewohnt latein-amerikanischen Klängen daher und steigt mit voller Power in das Album ein. Valeu ist portugiesisch und bedeutet so viel wie ‚Danke sagen‘. Bei diesem Stück hört man statt Brads Sologesang die Leute von ‚The Relief Project‘ singen. In diesem Wohltätigkeitsprojekt – bei dem verschiedene Künstler aus Colorado Geld für die Krisenherde unserer Welt sammeln – ist Brad ebenfalls dabei. Doch der latein-amerikanische Einfluss hat hier noch kein Ende. Dies spiegelt sich in den Songs „Ketchwa“ und dem ruhigen Instrumental „Mercedita“ wieder.

„Customs“ kommt in wesentlich vertrauteren Klängen daher. Ein fröhliches Reggaelied, das auch schon zusammen mit Dispatch dieses Jahr im Madison Square Garden aufgeführt wurde. Dies ist nicht der einzige reggaelastige Track auf dem Album. Dazu gesellt sich noch „Fist In The Ocean“, ein chilliges Lied, das gut zu Brads Surfermentalität passt. Die Idee zu dem Song kam ihm, als er zwei Kids im Surfer-Film „Walking on Water“ – bei dem er auch musikalisch mitgewirkt hat – gesehen hat.

Der Song „Ileana“ spiegelt einen Teil in Brads Leben wieder, der ihn sehr stark beeinflusst hat. Er war mit Freunden mehrmals in Nicaragua in sogenannten „Trash Dump Communities“ unterwegs und schockiert als er gesehen hat, wie die Leute dort auf diesen Müllhalden leben müssen. Das Schicksal eines Mädchens Namens Ileana, das im Alter von neun Jahren zur Prostitution gezwungen wurde, sich mit AIDS infiziert hat und dennoch eine innere Zufriedenheit und Glückseligkeit ausstrahlt, hat Brad besonders berührt. In diesem Stück beschreibt er die scheinbar aussichtslose Situation für die Menschen auf den Müllhalden.

Gerade wenn man Braddigan live hört, merk man verstärkt, dass er die Kopfstimme als gesangliche Ausdrucksweise für sich neu entdeckt hat. Dies kommt besonders bei dem Lied „Fare Thee Well“ zum Vorschein. Es ist ein ruhiges Akustikstück, das davon viel Gebrauch macht. „Five For Rose“ sticht durch einen besonderen Groove heraus, welcher mich beim ersten Hören etwas an „Walls“ von seinem letzten Album “Watchfires“ erinnert hat.

Bisher habe ich wenig über die Lyrics geschrieben, jedoch ist dies ein sehr wichtiger Punkt bei Braddigan. Fast alle seine Lieder haben thematisch mit dem christlichen Glauben zu tun, den er dem Hörer gerne durch seine Songs näher bringen möchte. Besonders kommt dies bei dem Track „De El“ heraus. Die Lyrics des Liedes sind auf spanisch gesungen und bedeuten übersetzt soviel wie: „Von Ihm, durch Ihn, zu Ihm sind alle Dinge. Ihm sei die Ehre in Ewigkeit“. „De El“ gibt es ebenfalls noch in einer japanischen, englischen und portugiesischen Version.

Die Songs „Solace“ und „Walk On“ gehören auf dem Album zu meinen Favoriten. Bei „Walk On“ wird Braddigan gesanglich durch den Songwriter Josh Garrels unterstützt. Joshs Stimme ist sehr ungewöhnlich und hat einen bluesigen Touch, welcher sich aber wunderbar in das Lied einfügt. Das Album endet mit dem Song „On The Mend“, hier kommt zudem ein Klavier zum Einsatz. Laut Braddigan war dies das erste Mal, dass er zu einem Klavier singt und der Versuch ist meiner Meinung nach wunderbar gelungen. Dieses zum Teil schon fast balladenartige letzte Lied hinterlässt zusammen mit den restlichen Stücken einen positiven Gesamteindruck. Wer also ein Album im gediegenen Akustik-Surfer-Musik-Stil – gepaart mit Reggae-Elementen und Percussion – sucht, sollte mal einen Blick auf „The Captive“ werfen.
[Ricardo Klement]


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