Viva La Vinyl



“See this Needle…see my hand droppin it down“ schreit Eddie Vedder in dem Pearl Jam Song „Spin The Black Circle“. Die gemeinte Nadel gehört zu keiner Spritze, versorgt den Konsumenten jedoch trotzdem mit seiner Droge; der Musik.

Die technische und soziale Entwicklung entfernt sich immer mehr vom Handfesten und hin zum
Virtuellen. Menschen zahlen ihre Nullen und Einsen mit virtuellen Euros, die von irgendwelchen Konten abgebucht werden. Ihre Gefühle teilen sie in Form von Smileys über das Internet und
sammeln Freunde wie Panini-Bilder in Social Communities wie Facebook oder Studivz. Statt zu lachen, schreiben sie LOL und ihre Musik laden sie seit Jahren auf ihre i-Pods. Lange Zeit bevor MP3 die Musiklandschaft revolutioniert hat, entwickelte Emil Berliner 1988 die Schellackplatte. Die
Wachsfolienscheibe bestand aus Ruß, Pflanzenfasern, Schellack und Gesteinsmehl. Dieser Tonträger war, auch nach diversen Verbesserungen der Technik, aufgrund der schwierigen Herstellung und Vervielfältigung sehr teuer. Umso euphorischer wurde Dr. Peter Carl
Goldmarks Erfindung der Vinyl- Schallplatte, wie wir sie kennen, vernommen.

Diese wurde 1948 eingeführt und war bereits bei der Einführung günstiger als die empfindliche Schallackplatte. Ende der 50er Jahre wurde die Stereo- Technologie auch bei Schallplatten eingeführt. Künstler wie Elvis Presley, Al Green, Kiss, die Zombies oder die Stones sorgten nach dem Kauf der Vinyl-Platte und dem Aufsetzen der Nadel bei unseren jungen Eltern für große Euphorie.

An den Aufnahmeverfahren und der Technik hat sich seitdem vieles verändert und unsere Eltern sind im Laufe unseres Lebens älter geworden, was uns in manchen Momenten große Angst macht. Die Schallplatte blieb jedoch bis heute schwarz und rund. Natürlich kann der Plattenspieler einen MP3 Player oder Discman kaum ersetzen. Zu absurd ist der Gedanke an einen tragbaren Vinylplayer, den wir uns mitsamt der großen Platten um den Hals hängen würden. Und zu sehr lieben wir unsere CD-Booklets, um uns von der CD-Sammlung zu trennen. Doch das Knistern einer Schallplatte, seltene Singles in schönen Designs, den liebevoll pflegsamen Umgang mit den sensiblen Scheiben und einen chilligen Abend vor der Box mit Leonard Cohen auf dem Teller und einer halben Flasche Wein machen die Vinyl-Scheibe unsterblich.
(Sebastian Jegorow)

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