Steve Earle – Washington Square Serenade



Auch wenn der traurige oder wütende Einzelgänger und Songwriter in den letzten Jahren überaus beliebt geworden ist, ist Steve Earle tatsächlich einer der letzten glaubwürdigen Troubadoure, wie er es selbst einst sang. Einer den man sicherlich unter Artenschutz stellen sollte. Im laufe seiner Karriere schaffte er es wie kaum ein anderer wundervollen Folk, Country und wüsten Rock perfekt unter einen Hut zu bringen und mit seinen oft von der Politik beeinflußten Songs durch die Welt zu ziehen.

Wie schon das typische Cover vermuten läßt, gibt es hier den Country-Steve, der sich immer wieder zur Gegenwart der Welt (dabei natürlich insbesondere Amerikas) äußert, hin und wieder auf Rock-Elemente zurückgreift und dies mit zuckersüßen Stücken mischt.Die Platte beginnt zunächst mit einem Abschied aus Nashville. Guitar Town ist nun endgültig Geschichte. Nun wohnt der Musiker in der Stadt New York, der er auf der neuen Platte mit Down Here Below und dem anstrengenden Immigrant Town gleich zwei Songs widmete.

Politrocker/Politfolker hin oder her. Musikalisch ist Earle noch immer am stärksten, wenn er die politische Keule (oder eben den Hammer, um es mit seinem Worten zu sagen) senkt und sich umso mehr auf das Songwriting konzentriert. Und der Gehalt an Politik-Songs geht hier im Vergleich zu The Revolution Starts Now zurück. Wie schon bei dem wundervollen El Corazon Album, so gibt es auch hier wieder unzählige zuckersüße Songs wie Sparkle And Shine oder ein tolles Duett mit Allison Moorer. Die Freude an großen Highlights wie Come Home To Me, Steve´s Hammer oder Down Here Below trüben hin und wieder einige eher peinliche Auftritte wie City Of Immigrants, Satellite Radio und der nervige Einsatz von Elektrobeats, der vermutlich den Wechsel von Nashville in die urbane Metropole andeuten soll.

Doch Kritik wäre hier ein Jammern auf hohem Niveau. Denn auch wenn Washington Square Serenade nicht ganz an die Klasse der Earle Alben der 90er heran reicht, so ist es ein weiteres gelungenes Album eines der letzten Troubadoure.
[Sebastian Jegorow]

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.