Matt Nathanson



Vor sechs, sieben Jahren gab es eine Schar vielversprechender, junger US-Singer/Songwriter. Sie hießen Howie Day, Jason Mraz oder John Mayer und ließen um 2001 herum erste aussichtsreiche Fußabdrücke zurück. Matt Nathanson war damals schon etwas älter und hätte gut und gerne als großer Bruder dieser Grünschnäbel durchgehen können. Bereits vier unabhängig veröffentlichte LPs hatte er damals schon in der Tasche.

Relativ jung (Jahrgang ’73) und vielversprechend war er zu dem Zeitpunkt auch, aber wie die drei erwähnten Herren läuft er diesen Vorschußlorbeeren bis heute leider immer noch hinterher. Großartigen Frühwerken wie Ernst (1997) und speziell Not Colored Too Perferct (NCTP) (1998) folgte 2003 das äußerst enttäuschende Major-Debüt Beneath These Fireworks. Im August erschien Nathansons fünfter Streich in voller Länge, Some Mad Hope (SMH). Ich war gespannt ob er diesmal den Sprung von langweilig glattgebügelten Majoransprüchen zurück zu den sympathischen Indieaufnahmen schaffen würde.

Die neue CD einmal im Player gewinnt man jedoch schnell die Erkenntnis, dass die langweilige und abgeschmirgelte Seite auch hier die Hosen an hat. Weniger Pomp und Schmalz würde fast allen Songs auf SMH sehr gut zu Gesicht stehen. Den Protagonisten eingerechnet sind zwölf Musiker auf dem Tonträger vertreten. Elektrische Gitarren, Perkussion und etliches mehr sind teilweise doppelt und dreifach besetzt. Was so etwas noch mit „Singer/Songwriter“ zu tun haben soll erschließt sich mir nicht ganz und lässt darauf folgern, dass dieses Konzept – zumindest für Nathanson-Studioalben – mittlerweile komplett im Mülleimer gelandet ist. Car Crash, Detroit Waves oder Wedding Dress heißen drei der zwölf Stücke auf SMH, viel mehr als Allerweltspop wird man unter ihnen nicht finden.

Pull me down hard and drown me in love. 17-jährige amerikanische Teenager mag diese Plattitüdenzeile aus Come Get Higher ansprechen. Exemplarisch steht sie für die Texte der gesamten Platte. Für etwas ältere Hörer könnten – im Gegensatz zu denen seiner ersten Alben – Nathansons Lyrics wohl kaum nichtssagender sein. Die abgeschmirgelte musikalische Allerweltsbegleitung passt da wie die Faust aufs Auge. Es macht keinen Spaß die Platte weiter auseinander zu nehmen. Haltet euch besser an die erwähnten Frühwerke.

Musiker die einen in ihren Bann ziehen haben gewisse Facetten, die man entweder teilt, oder durch diese Künstler für sich entdeckt. Bei denen die einem irgendwie wichtig sind bleibt man hängen und wenn man Glück hat werden diese Acts zusammen mit einem alt. Matt Nathanson fehlen diese „zusammen-älter-werden-Facetten“. Ernst oder NCTP hören sich, obwohl er damals noch um einiges jünger war, um Jahre reifer und erwachsener an als Beneath These Fireworks oder SMH. Die hörbare Ausrichtung auf junge, speziell weibliche, Fans steht seinen letzten beiden Studioalben leider mitten auf der Stirn. Nathanson wird mit dem Alter nicht besser, sondern angepasster und langweiliger. Das was er uns in den letzten vier Jahren präsentierte ist Einheitsbrei, hat keine Ecken und Kanten und ist bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Live At The Point) nur für amerikanische Teenager und American Idol-Gucker interessant. Das was es bei ihm wert ist entdeckt zu werden, liegt schon Jahre zurück. Matts Songs waren mit 24 erwachsener als heute mit 34. Damals ein junger Singer/Songwriter mit Potential, heute ein beliebiger Rock/Pop-Act. Schade!
[Sascha Knapek]

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