Marble Man



Ohne große Promotion ist das Leben als Newcomer nicht einfach. Selbst dann, wenn man eine der besten Songwriter-Platten des Jahres hinzaubert. Der gerade mal 19-jährige Songwriter aus Deutschland hat vor einigen Monaten sein Debüt „Sugar Rails“ veröffentlicht. Eine Platte, auf der er nicht nur den so oft herbeizitierten Elliott Smith zu Leben erweckt, sondern ebenfalls eigenen Akzente setzt. Ergänzend zu unserer Rezension des Albums im Sonic-Reducer #006 haben wir dem Musiker einige Fragen zu seiner Karriere und seiner Musik gestellt.

Sonic-Reducer: Wie bist du zum Gitarre spielen und Songs schreiben gekommen?

Marble Man: Wohl durch die Beatles. Ich habe mit 11 Jahren die Platte „Beatles For Sale“ von meiner Tante geschenkt bekommen und daraufhin ca. 3 Jahre fast nur Beatles gehört. Durch deren Musik hatte ich das erste Mal Interesse am Gitarre spielen. Eigentlich waren die Beatles für mich auch der Auslöser, mich überhaupt intensiver mit Musik zu beschäftigen. Irgendwann wollte ich dann mal ausprobieren, selbst Songs zu schreiben, weil ich immer so fasziniert davon war, wenn ich in irgendwelchen Büchern gelesen habe, wie die Beatles vom Entstehen ihrer Songs erzählten. Und somit fing ich an, selbst Songs zu schreiben.

Sonic-Reducer: Wie kam es dazu, dass dein Debüt beim Schinderwies-Label erschien?

Marble Man: Das war im Prinzip eine klassische Radio-Entdeckung. Ich habe im Sommer 2006 bei einer Veranstaltung von Sub-Bavaria gespielt. Dort war eine Redakteurin vom Zündfunk da, der mein Konzert sehr gut gefallen hat. Als ich mich dann nach dem Konzert mit ihr unterhielt, meinte sie, ich solle ihr doch ein paar Demos schicken, die sie dann bei ihr in der Reaktion verteilt. Ein paar Wochen später lief dann mein Song „Sugar Rails“ im Zündfunk, und Archie Müller von Schinderwies hat den Song gehört. Daraufhin hat er mich dann kontaktiert und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei Schinderwies zu veröffentlichen. Wie gesagt, ganz klassisch.

Sonic-Reducer: Was waren die Einflüsse bei den Aufnahmen und beim Schreiben der Songs?

Marble Man: Nun ja, als Haupteinflüsse würde ich da zunächst mal die Beatles und The Velvet Underground nennen. Bei den Beatles hat mich zum einen immer der Sound fasziniert, vor allem Ringo Starr’s genialer Drum-Sound und George Harrisson’s Gitarre. Außerdem finde ich es sehr cool, wie John Lennon seinen Gesang immer doppelt. Zum anderen finde ich die Harmonien bei Beatles-Songs einfach unglaublich, z.B. bei „I Want You (She’s So Heavy)“ oder „Strawberry Fields Forever“. Und naja, Velvet Underground haben mit „Ride Into The Sun“ meiner Meinung nach den schönsten Song, der jemals gemacht wurde. Natürlich gibt es neben diesen beiden Bands noch andere Musiker, die mir sehr wichtig sind und die mich wohl in irgend einer Weise beeinflusst haben, wie z.B. Leonard Cohen, Kristofer Aström, Tom Liwa, Belle and Sebastian oder die Smiths.

Sonic-Reducer: Laut Promo-Info bezieht sich dein Künstlername The Marble Man auf das
Nico-Album ‚The Marble Index‘. Hast du eine besondere Beziehung zu der
Platte oder was war der Grund dich The Marble Man zu nennen?

Marble Man: Naja, von einer besonderen Beziehung würde ich nicht sprechen, sie gefällt mir halt sehr gut. Im Prinzip war es so, dass mir der Name „The Marble Index“ sehr gut gefiel, ich ihn aber nicht einfach so übernehmen wollte. Irgendwann kam mir dann die Idee, das Wort „Index“ durch „Man“ zu ersetzen, was ich ganz nett und irgendwie auch ganz passend fand.

Sonic-Reducer: Deine erste längere Solotour läuft momentan. Spielst du bei den
Auftritten alleine auf der Bühne oder hast du eine Band mit dabei?

Marble Man: Auf Tour habe ich eine Band dabei. Früher habe ich immer allein gespielt, was auch in Ordnung war, aber im Moment finde ich es interessanter, mit Band zu spielen, weil dadurch die Songs auf der Bühne noch mehr Dynamik haben. Außerdem kann ich dadurch Songs, die auf der Platte akustisch sind, live mit Band spielen. Zum Beispiel bei „A Try“ war ich total überrascht, wie der Song klingt, als ich ihn das erste mal mit Band gespielt habe. Mittlerweile gefällt mir die Live-Version besser als die Akustische.

Sonic-Reducer: Bei Songwritern hat man meist gemischte Meinungen zu Live-Auftritten.
Ich habe mal ein Interview mit Damien Jurado gelesen, in dem er das
auf Tour sein als nervige Pflicht beschreibt, während andere widerum
besonders darin aufgehen. Wie ist es bei dir?

Marble Man: Bisher macht die Tour durchaus Spaß. Natürlich ist es ziemlich anstrengend. Vor allem ist es sehr irritierend, wenn man jeden Tag am Morgen in einer anderen Stadt ist als am Abend. Wenn man das 3 Wochen lang macht, dann stumpft die Wahrnehmung mit der Zeit irgendwie ab oder verändert sich zumindest. Es ist vielleicht auch gut, dass ich mit 2 Freunden auf Tour bin, da man sich dadurch kennt und weiß, wie man miteinander umzugehen hat. Außerdem ist dadurch die Stimmung sehr gut. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich auf Tour im Vergleich zum Aufnehmen besonders aufgehe, aber ich denke ohnehin, dass man das nicht direkt vergleichen sollte. Aufnehmen ist schließlich viel intimer, da man seine Musik in dem Moment keinem Publikum präsentiert.

Sonic-Reducer: Gibt es auf ‚Sugar Rails‘ einen Song, der dir besonders wichtig ist?

Marble Man: Nicht direkt. Obwohl ich im Nachhinein ganz froh bin, dass ich „Talking In Reverse“ auf die Platte genommen habe. Der Song ist schon ziemlich alt, 3 Jahre oder so, und ich hatte den eigentlich schon vergessen. Es kam dann ein Freund, der vor Jahren mal eine Demo-Aufnahme davon gehört hat, zu mir her und fragte, ob der Song denn auch auf der Platte sei. Zu dem Zeitpunkt waren die Aufnahmen noch nicht abgeschlossen, und ich sagte ihm, dass er nicht drauf sei, woraufhin er mich gebeten hat, dass ich ihn noch aufnehmen soll. Naja, ich hab mir dann gedacht ‚Wenn er ihm schon so gut gefällt, dann mach ihm doch eine Freude‘. Mittlerweile bin ich ganz froh, dass er drauf ist. Was mich persönlich betrifft, so würde ich am ehesten „A Liar At Best“ als Song nennen, der mir in irgend einer Weise besonders wichtig ist.

Sonic-Reducer: Warum schreibst du deine Songs in englischer Sprache?

Marble Man: Als Deutscher auf Englisch zu singen hat für mich eine Art Schutzfunktion, vor allem bei Live-Auftritten. Mir sind Texte sehr wichtig, aber ich finde auch, dass Texte etwas sehr Persönliches sind, vielleicht noch persönlicher als die Musik. Würde ich nun auf Deutsch singen, so würden die Leute bei Konzerten, rein sprachlich gesehen, sofort verstehen, was ich singe, und ich bezweifle, dass ich mich dabei wohl fühlen würde. Natürlich will ich wohl, dass andere meine Texte verstehen oder zumindest wissen, worum es geht, was sich wohl von selbst erklärt, wenn man Texte schreibt und dann im Booklet abdruckt oder live vor Publikum singt. Aber ich will nicht, dass man sie in dem Moment, in dem ich die Songs live spiele, völlig unverhüllt versteht, da ich mir dabei ausgeliefert vorkommen würde. Mir ist es lieber, wenn man sie in dem Moment versteht, wenn man das Booklet aufklappt und sie dann liest. Man könnte also sagen, ich will einerseits schon, dass dem Hörer irgendwie klar wird, worüber ich singe, aber ich will nicht dabei sein, wenn das passiert.

Sonic-Reducer: Welche Alben hörst du momentan besonders oft?

Marble Man: Im Moment höre ich sehr oft das neue Tocotronic-Album, vor allem die Songs „Verschwör dich gegen dich“ und „Imitationen von dir“. Außerdem noch „Hawks and Doves“ von Neil Young und „Some Beans and an Octopus“ von Vert. Auf Tour habe ich meistens das Weiße Album von den Beatles und ein Byrds-Best Of, auf dem „Mr. Tambourine Man“ und „I’ll feel a whole lot better“ drauf sind, gehört.

Sonic-Reducer: Du machst in diesem Jahr dein Abi. Wie läuft das momentan? Läßt sich
das mit der Musik unter einen Hut bringen?

Marble Man: Naja, das Abitur habe ich ja mittlerweile hinter mir. Natürlich war das manchmal stressig, vor allem in der Zeit, in der ich das Album aufgenommen habe. Es war dann meistens so, dass ich von der Schule heimkam, kurz was gegessen habe und dann aufgenommen habe. Aufs Abitur vorbereiten musste ich mich also mehr so nebenbei. Erst in den Wochen vor dem Abi hatte ich mehr Zeit dafür. Rückblickend habe ich es nicht als so wahnsinnig stressig empfunden, wie manche denken, was aber wohl auch damit zusammen hängt, dass ich keine Zeit hatte, mir darüber Gedanken zu machen.

Sonic-Reducer: Wo soll es in der nahen und der fernen Zukunft hin gehen?

Marble Man: In den nächsten Tagen werde ich erst mal ein paar Tage irgendwo hinfahren und ein wenig ausspannen, was nach der Tour ganz gut tut. Im Herbst und Winter werde ich natürlich weiter auf Tour gehen, vielleicht auch mal solo. Ansonsten arbeite ich im Moment wieder an neuen Songs, von denen ich ein paar auch schon live spiele, d.h. ich werde in den nächsten Monaten auch wieder aufnehmen.

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