Lehnen



Wenn eine Band eine recht kuriose Entstehungsgeschichte zu erzählen hat und noch dazu zu den Gruppen gezählt werden kann, dessen Namen man sich besser merken sollte, um nicht die Gelegenheit auf ein späteres, selbstzufriedenes „Die kannte ich schon, als die noch keiner kannte“ zu verpassen, dann freuen wir uns gewaltig auf ein Interview mit Ihnen. Als dieses Interview stattfand erzählten uns Lehnen, die ihre oft sehr postrockige Musik mit allerlei musikalischen Spielereien aus den verschiedensten Genren versehen, über ihre Einflüsse, ihren bisherigen Weg, ihr neues Album, ihre Ziele und – natürlich – ihre angesprochene Gründungsgeschichte. Und die Frage, warum David Hasselhoff auf ihrer MySpace- Seite (http://www.myspace.com/lehnen) als musikalischer Einfluss gelistet ist, konnten wir uns schlussendlich auch nicht verkneifen.

Sonic-Reducer: Erzält doch mal, wie ihr euch kennen gelernt habt.

Joel: Matthew und ich kennen uns schon seit der Volksschule. Ich bin mit
meinen Eltern 1994 nach Österreich gezogen. Wir haben mit 12 Jahren
angefangen miteinander Musik zu machen. Nach der Highschool zogen wir beide nach Amerika, um zu studieren; Matthew nach Kalifornien, ich nach Massachusettes. Wir haben dann irgendwann in diesem Jahr beschlossen mit
dem Studium aufzuhören und wieder nach Österreich zu ziehen, um eine Band zu Gründen. Es war am Anfang sehr frustrierend weil wir nur zu zweit waren. Dann trafen wir Stefan. Stefan meinte er kennt jemanden der gerne Keyboard spielen wurde, und ja, so ist Martin dazu gekommen.

Sonic-Reducer: Wie entstehen Lieder bei Euch? Gibt es eine „treibende Kraft“?

Joel: Normalerweise kommen die Lieder in erster Linie von mir. Wir leben aber eine demokratische Einstellung was Lieder schreiben angeht. Ich
spiele ein Lied vor und dann hat jeder die Möglichkeit seinen Senf dazu zu
geben. Das kann manchmal zu längeren Diskussionen führen, was natürlich
nicht so wäre wenn eine Person alle Lieder alleine schreiben würde. Ich finde unsere Musik aber deswegen interessant weil wir alle verschiedene
Stilrichtungen mögen. Matthew liebt elektronische Musik, Stefan steht auf
Indie-Rock, Martin mag Indie und Folk, und ich komme aus der Emo- und Postrock Szene.

Martin: Wir arbeiten dann meistens zuerst ein Grundgerüst aus und überlegen uns dann „Verzierungen“ wie Keyboard- und Gitarrenmelodien oder Gesangsharmonien. Das sind meiner Meinung nach auch die Dinge, die den
„Lehnensound“ ausmachen.

Sonic-Reducer: Gibt es musikalische Vorbilder bzw. Bands, an denen ihr Euch orientiert?

Joel: Wir orientieren uns nicht bewusst an irgendwelche Bands. Wir möchten wie jede Band unseren eigenen Sound erzeugen. Natürlich können wir nicht verhindern dass sich einige musikalische Einflüsse hörbar machen. Wir wurden zum Beispiel öfters mit Bands wie den Smashing Pumpkins, Elliott, Placebo, Interpol oder Radiohead verglichen.

Martin: Das sind aber Vergleiche mit denen wir ganz gut leben können. Wir wurden ja auch schon mal mit Coldplay verglichen, was ich dann nicht
so wirklich verstehen kann. Bei meinen Sounds werde ich zum Beispiel eher
von Built to Spill, Kashmir, Pavement und Sonic Youth beeinflusst.

Sonic-Reducer: Hattet ihr vorher schon Banderfahrung und was macht ihr, wenn ihr gerade nicht musiziert?

Joel: Matthew und Ich haben seit Jahren in verschiedenen Bands miteinander gespielt. Wir haben aber alle auch neben Lehnen diverse musikalische
Projekte am laufen. Ich glaube Martin spielt in ca. 50 anderen Bands. Stefan spielte vorher in 3 Bands.

Martin: Nachdem ich 3 Jahre mit Zivildienst und Jobs verbracht habe, bin ich jetzt seit Neustem Student. In Bands spiele ich seit ich 14 bin. Vor Lehnen meistens als Gitarrist und/oder Sänger. Lehnen war die erste Band,
in der ich Keyboard gespielt habe. Matthew und Joel arbeiten als
Callcenteragents, Stefan verdient sein Geld mit Webdesign/Grafikdesign(er ist auch für unsere Homepage zuständig) und er besitzt einen Proberaum, den er vermietet.

Sonic-Reducer: Wie würdet ihr die aktuelle Musikszene in Wien beurteilen? Man hört ja so einiges in letzter Zeit.

Joel: Na ja, Österreich hat mehr zu bieten als nur Christina Stürmer, Gott sei Dank.

Martin: Da gibt es schon einen Aufschwung in letzter Zeit. Vor allem auch Indie-Veröffentlichungen bekommen einen Vertrieb und auch Beachtung in
Deutschland. Die Wiener Bands, die ich persönlich richtig toll und
interessant finde, kann ich aber trotzdem an einer Hand abzählen.

(An welche Bands denkst Du denn da im speziellen?) –> nachgehakt, wird noch ergänzt

Sonic-Reducer: Eure privaten Musik-Geheimtipps?

Joel: Wo wir schon von österreichischen Bands sprechen, da kann ich durchaus The Pins, Naos, oder Super Pursuit Mode empfehlen. Ich warte im
Moment ungeduldig auf die neue Jimmy Eat World CD und auf das neue the Faint Album.

Matthew: Ich empfehle die neue Modeselektor und Ulrich Schnauss CD. Ich warte aber auch sehr gespannt darauf, dass Radiohead und Massive Attack
ihre neuen CDs bald veröffentlichen!

Martin: Ich empfehle Locas in Love (und das aktuelle Album „Saurus“), „Reunion Tour“ von den Weakerthans, das neue Two Gallants Album,
Kapitulation von Tocotronic. Und was nicht fehlen darf: 3 Bob Dylan Alben of the moment: Blonde on Blonde, Highway 61 Revisited, Bringing it all back
home.

Sonic-Reducer: Was würdet ihr gerne mal in einer Musikzeitschrift über Euch lesen?

Matthew: Dass wir nicht unbedingt immer wie Placebo klingen, und dass wir mit jedem Album unseren musikalischen Wurzeln und Anfängen als Band treu
geblieben sind.

Martin: Ich würde grundsätzlich mal gerne in Musikzeitschriften über uns lesen…

Sonic-Reducer: Vorausgesetzt ihr hättet ein riesiges Budget zur Verfügung – wie würde ein Musikvideo von Euch aussehen?

Matthew: Ich würde am liebsten zu „Dare Devil“ ein Video schießen, das auf dem Film „Die Unendliche Geschichte“ basiert.

Stefan: Ich will am Steuer eines Raumschiff zu „I, The Rocket“ durch das Universum fliegen und Gefahren wie Asteroiden oder Bösartige-Galaxien beseitigen.

Martin: Das ganze Budget geht für eine 6tägige Party drauf. Das Video schneiden wir dann selbst aus Handykameravideos zusammen.

Joel: Ich wurde gerne ein Video drehen mit einer „Cat Ranch“. Es wäre lustig auf einem Bauernhof ein Konzert zuspielen, wo 2000 kleine Katzen
herumlaufen.

Sonic-Reducer: Was sind Eure Pläne in nächster Zeit?

Joel: Vorerst möchten wir unser Album fertig machen. Ich bin sehr zufrieden mit den Songs, die wir aufgenommen haben. Dann drücken wir uns die Daumen und beten für einen Plattenvertrag. Hoffentlich gehen wir danach auf eine riesen Welttour als Support für Depeche Mode.

Martin: Nach der Albumveröffentlichung viele Konzerte spielen und dann so bald wie möglich die Arbeiten am zweiten Album beginnen.

Sonic-Reducer: Preist doch mal Euer neues Album in 100 Wörtern an.

Die 13 Songs unseres neuen und ersten Albums „This Could Be Our Dream Home“ sind vor allem sehr facettenreich ausgefallen. Manche Songs klingen eher elektronisch, manche dann wieder sehr vom Post-Rock angehaucht. Die CD
bricht die Grenzen des aktuellen 45 Minuten Albums und trägt viele verschiedene Emotionen. Wir haben auch viel Zeit in klangliche Feinheiten
investiert, wobei sich viele Sounds und Melodien erst erschließen werden, wenn man das Album öfter hört.

Sonic-Reducer: Und zu guter letzt – David Hasselhoff?

Martin: Das erste Konzert auf dem ich war!
Joel: Der Hoff ist ein Wahnsinn! Es gab eine Zeit wo wir andauernd seine Videos auf Youtube angeschaut haben. Meine Empfehlung: Hooked on a
Feeling. Traumhaft!

Danke Euch, Jungs. (Doreen Spange)

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