Jeffrey Lewis – 12 Crass Songs



Jeffrey Lewis covert hier mit seinem Bruder und seinen Freunden Songs der Band Crass. Zumindest eine kurze Erklärung, da sowohl Jeff Lewis, als auch Crass in den bunten Pop-Geschichtsbüchern am Kiosk leider zu kurz kommen bzw. kamen. Bei Crass handelt es sich um eine Anarcho-Punk-Band, die Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre die Musik nutzte, um Ihre Meinung zur Politik und Gesellschaft zu äußern. Und Jeff Lewis? Ein begnadeter Songwriter und Comiczeichner aus dem Antifolk-Umfeld, der seit knapp zehn Jahren eine langsam wachsende Fangemeinde mit seinen wundervollen Platten und Geschichten unterhält.

Und irgendwo zwischen den 70ern und dem Jetzt treffen die politisch geladenen Crass Songs auf den Antifolk der Gegenwart. Ein unterschätzter Künstler der gegenwärtigen Independent-Szene covert eine politische Punkband des britischen Untergrunds der 70er Jahre. Klingt spannend? Ist es auch.

So nimmt Jeff den Punksongs die E-Gitarren, schafft es jedoch zugleich die Dringlichkeit, Dichte und den Lo-Fi Rotz der Originale auf seine Art umzusetzen. Als Ergebniss erhält man 12 typische Jeff Lewis Folk-odernenneesvonmirausAntifolk-Stücke, die sich ohne Probleme auch auf einem der Vorgängeralben verstecken könnten. Begleitet wird Jeff Lewis dabei unter anderem von seinem Bruder Jack, seiner Tourbegleiterin Helen Schreiner und der Antifolk-Queen Kimya Dawson. Am meisten gelingen der Truppe „System, System“ mit flotten Bongo-Rythmen und Akustikgitarren und das grandiose „Where next, Columbus?“, das man in der Jeffrey Lewis Variante überhaupt nicht mehr wiedererkennt. Bei „Walls“ greift man sogar auf Elektro-Beats zurück und auch sonst wirken die Musiker für viel Abwechslung. Textlich sind die Crass Songs auch heute noch aktuell und wirken alles andere als platt. Aus dem Becken, in dem die Stücke schwimmen, tauchen immer wieder Zeilen wie „I´m part of the race that kills for posessions“ oder „Defense is just another word for war“ an die Oberfläche.

Es ist beeindruckend wie Jeffrey Lewis die steigende Spannung des großartigen „I ain´t thick, it´s just a trick“ noch höher schraubt oder Songs mit seinem typischen Fingerpicking und Sprechgesang wiedergibt. Die Auswahl der Songs läßt dabei kaum Wünsche offen. Vermissen tut man vielleicht noch ein „Asylum“ Cover. Alles in allem beweist Jeffrey Lewis hier mal wieder sein Talent als Musiker und Künstler. (Sebastian Jegorow)

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