Carla Bruni


Frankreich muss man einfach lieben! Zugegeben, da gab es immer mal wieder ein paar Scharmützel, aber Frankreich hat „savoir vivre“, Paris, die fabelhafte Welt der Amélie, Croque Monsieur, guten Wein und noch besseren Käse. Und Italien erst: „la dolce vita“, Pasta, die ewige Stadt, der schiefe Turm von Pisa, Leonardo da Vinci und Adriano Celentano. Aus der Verbindung einer Französin mit einem Italiener kann demnach eigentlich nur etwas Vielversprechendes entstehen. Kein Wunder also, dass Carla Bruni auf der Sonnenseite des Lebens steht.
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Ihr Daddy ist „rich“ und die Mama nicht nur „good looking“, sondern als Komponistin und Konzertpianistin auch noch mit Musikalität gesegnet. Wer nun denkt, dass die kleine Carla wie eine Paris Hilton aufgewachsen ist, macht einen grundlegenden Fehler. Denn im Gegensatz zu der, deren Name nicht mehr genannt werden soll, hat es Bruni nach Internat und Abitur bis auf die Pariser Sorbonne gebracht. Wenn man allerdings mal in Paris angekommen ist, merkt man schnell, dass man dort viel interessantere Dinge machen kann als studieren. So verabschiedete sich Carla von der Universität und begann in den späten 80ern ihre erste Karriere als hoch dotiertes Fotomodell. Doch trotz ihres großen Erfolges war auch das nicht, was sie eigentlich wollte. Bruni träumte schon immer davon Musikerin zu sein.

Im Jahr 2000 schrieb sie für den französischen Sänger Julien Clerc die Lieder für dessen Album „Si j’étais elle“. Das Album landete auf Platz 1 in Frankreich. Ein Riesenerfolg. 2002 dann brachte sie ihr erstes eigenes Album „Quelqu’un m’a dit“ heraus, das sie nun auch musikalisch europaweit bekannt machte. Die Songs für das Album hat sie selbst geschrieben, komponiert und die Gitarre, als Hauptinstrument, selbst eingespielt. Und das Album ist einfach… schön. Es ist nicht die Art von Musik die einen ergreift und mitreißt. Es ist auch nicht die Art von Musik die einem nicht mehr aus dem Ohr geht. Es ist eher die Art von Musik, die man problemlos während einer Unterhaltung im Hintergrund laufen lassen kann. Das klingt nicht gerade nach einem Kompliment, ist aber dennoch eins. Wenn nämlich das erste Schweigen einsetzt und man die Musik wahrnimmt, denkt man stets, „oh, das ist aber… schön!“ Carlas stimme ist unverwechselbar. Ihre leicht kratzige Heiserkeit erinnert an Joe Cocker, Bryan Adams oder Ray Lamontagne. Im Gegensatz zu Janis Joplin ist sie aber keine Röhre, sondern ganz ruhig und zart. Sie singt stets in den unteren Tonlagen, immer an dem Punkt, an dem es fast so tief wird, dass die Note verschluckt, die Grenze aber trotzdem nicht überschritten wird. Das ist durchaus angenehm – und irgendwie sexy. Bruni singt in ihren Muttersprachen Französisch und Italienisch. Hauptsächlich jedoch auf Französisch und in der Tradition des Chanson. Quelqu’un m’a dit, dessen Titelstück auch das herausragende Lied auf der CD ist, ist die Art von Album, die man einlegt, wenn man nach einem ereignisreichen Tag einen ruhigen Abend einleiten oder ausklingen lassen möchte.

Ich habe nicht den blassesten Schimmer, wovon sie eigentlich singt und das geht sicher vielen so, die, wie ich, ihr Schulfranzösisch fahrlässig veröden lassen haben. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sie Anfang des Jahres 2007 ihr zweites Album frei nach dem Motto: „Belle, je ne comprends pas francais, so you have to speak to me some other way“, nicht mehr auf Französisch, sondern auf Englisch aufgenommen hat. Wenn so etwas geschieht, liegt immer der Verdacht nahe, dass man einen Teil der Eigentümlichkeit seiner Musik zu Gunsten eines breiteren Publikums aufgegeben hat. Das ist schade, im Fall von No Promises spielt es aber keine Rolle. Denn die Musik bleibt… schön. Die Texte hat sie diesmal nicht selbst geschrieben, sondern klassischer englischsprachiger Lyrik entnommen. Gedichte von Poeten wie W.H. Auden oder der großen Emily Dickinson musikalisch zu interpretieren ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Um so mehr ist die übertragene Melancholie von „No Promises“ zu schätzen. Die Unterstützung von Louis Bertignac an Gitarre und Mundharmonika fließt dabei positiv in das Werk ein. Those dancing days are gone bietet den idealen Einstieg in ein Album, das trotz der Sprachumstellung fast nahtlos an seinen Vorgänger anknüpft.

Carla Brunis Musik ist sicher nichts für Parties. Und es ist auch nicht die Neuerfindung des Rades. Wer von guter Musik raffinierte Akkorde, instrumentelle Vielfalt und steigende Spannung erwartet, wird eher gelangweilt sein. Wer stattdessen sanfte Klänge zu schätzen weiß, kommt sicher auf seine Kosten. Brunis Stimme, dieses charakteristische Hauchen, hat etwas schwer greifbares, etwas anziehendes. Es ist zart und doch ausdrucksstark und reif. Die Lieder fließen, gut aufeinander abgestimmt, gleichmäßig vor sich hin. Eben einfach… schön! Für einen lauschigen Abend zu zweit definitiv genau das Richtige.

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