Ben Lee – Ripe



Ben Lee und der Pop. Nun scheint er doch noch angekommen in einer Welt von Seriensoundtracks, großen Popgesten, Mandy Moore und Bedeutungslosigkeit. Lieder, so melodiös wie kurzlebig und so kurzlebig, wie melodiös; vergessen noch vor der Werbung oder kurz drauf. Und so klingt Ripe, Ben Lees mittlerweile sechstes Soloalbum in 12 Jahren.

Like Pop is the new Cool. Und überhaupt: “Seems it never rains in Southern California”. Aufgenommen unter der Regie von John Alagia (Dave Matthews Band u.a.) mit der Sonne Kaliforniens im Rücken, steht Ripe für die neue kalifornische Leichtigkeit, L.A. Lifestyle und die konsequente Weiterführung seines letzten Albums Awake is the new Sleep von 2005. Doch ohne dessen subtile Botschaften und weitläufige Substanz, bedient Ripe nur noch die reizüberfluteten Ohren einer neuen, schnelllebigen Radiohörerschaft und langweilt mit prätentiösen Texten und einer zu glatten und sauberen Produktion.

Love me like the world is ending, die erste Single, gibt es dann gleich zur Vorspeise. 3 Minuten Popmelodie, zuckersüß und eingängig, aufgeputzt im 24-Track Gewand, doch, noch ein guter Start. “I wanted the sound to be able to fill a stadium!” Jedenfalls hat sich viel geändert. Und wo einst noch Liz Phair sang, singt heute Mandy Moore (Birds & Bees). Moore und Lee geben im 50`s Style Duett ihre Version von Summer Nights” (Grease) und das wirkt so kitschig und albern, man denkt unweigerlich an _____________________________. Ja, an was denn überhaupt? Bleibt die Frage halt im Raum.

Mit Is his how love´s supposed to feel findet sich dann doch (m)ein persönliches Highlight dieser Platte. Ekstatisch, ehrlich, und kitschig an just den richtigen Stellen, entwickelt sich der Song mit seinem Überrefrain zu einem Mantra, dem man sich schwer entziehen kann, Mitgrölrefrain inklusive.
Aber Home ist dann schon wieder so radiofreundlich aufgemotzt, mit seiner („So how about a cup of coffee
Or we could get a snack/ Or if you’re heading uptown/ Maybe we could share a cab”) Kinderlyrik, dass man sich unweigerlich die Frage stellt, wer hier eigentlich wen verarscht?
Tja, und Blush langweilt einfach nur.

Wer Ben Lees Karriere über die Jahre verfolgt hat, dem steht ein Album gegenüber, das eine Leerstelle seines Schaffens markiert. Ein große Seifenblase, “maybe the next big thing”, aber ein Album, was den fehlenden Charme, die sprühende Spielfreude vorangegangener Alben fehlen lässt, und nach 43 Minuten einfach so zerplatzt. Wie es Albert Hammond Sen. schon in den ´70s besang: “Seems it never rains in Southern California/ Seems I’ve often heard that kind of talk before/ It never rains in California”.
[Nicholas Hessenkamp]


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