Architecture In Helsinki – Places Like This



Ob sie jemals einen Fuß durch die Stadttore der finnischen Hauptstadt gesetzt haben und nur annähernd etwas von dem Metier der Bauwerkkonstruktion verstehen, ist nicht überliefert. Eins ist jedoch ziemlich sicher: Ein Besuch von Architecture in Helsinki ist nicht nur für die des düsteren Wetters und des fehlenden Sonnenlichts wegen eher als melancholisch charakterisierten Finnen eine aufheiternde Sache und so ganz aus der Luft gegriffen ist die Selbstbezeichnung „Architekt“ auch nicht.

Denn zwar geht das kleine Kollektiv um Frontmann Cameron Bird nicht mit Bleistift und Lineal an die Arbeit, aber dafür kreiert es musikalische Elektropop-Werke, deren wahres architektonisches Pendant sich ungefähr mit dem Wiener Hundertwasserhaus
beschreiben lässt: bunt und mit zahlreichen Ecken, Balkönchen und Spielereien versehen. Und nachdem sie mit ihrem wundervollen Album In Case We Die von 2005 ihren Geheimtipp-Status längst verlassen haben, präsentieren Architecture in Helsinki nun endlich ihre dritte Langspielplatte, Places Like This.

Auf ihrem neuesten Werk halten die mittlerweile zu einem Sextett zusammengeschrumpften Australier an ihrem gewohnten musikalischen Rokoko-Stil fest und bewegen sich weiterhin hinter einer alles anderen als glatten Fassade.
Zwar wurde hier den digitalen Klangerzeugern noch ein wenig mehr Spielraum gelassen, als zuvor schon, dennoch muss man auf Places Like This weder auf die wunderbar schrulligen und verrückten Opernchöre, Blasorchester, ekstatischen Trommelwirbel und Glockenspiele noch auf die griffigen Keyboardakkorde und das gewohnte Synthie-Getöse verzichten und es bleibt weiterhin spannend und facettenreich bei den falschen helsinkischen Architekten.

Sogar eine einfache Akustikgitarre findet bei Lazy und Nothing´s Wrong kurzzeitigen Zugang in die Musik von Architecture in Helsinki und gönnt einem eine Auszeit vom Overflow des restlichen Albums. Denn dort geben Cameron Bird und Kellie Sutherland wieder mal alles, um ihren Klangwänden dort wo sie noch nicht bescheuert und ausgefallen genug sind, durch ihren schrillen, kreischenden Gesang die letzten Macken einzumeißeln. So zeigen sie einem bei Like it or Not was ein wahrer Katzenjammer ist, nehmen einen bei Underwater mit verzerrten Stimmen in ihre eigene Unterwasserwelt mit, hüpfen bei Red turned White durch eine Soundlandschaft á la Super Mario Brothers und kotzen einem bei „Debbie imaginär ins Gesicht.

Und auch wenn man nach dem Hören des Albums vollkommen fertig ist, lässt einen das Gefühl, wissen zu wollen, ob es diese außerirdisch anmutenden Orte, welche Architecture in Helsinki auf Places Like This zelebrieren, wirklich gibt, einfach nicht los.
[Vera Hölscher]

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.