Boy Omega – Hope On The Horizon


Bei der vierten Boy Omega-Platte gehen einem die Geschichten aus. Die Story, dass Martin Henrik Gustafsson nach einem Fußballer benannt wurde, hat man schon zigmal irgendwo desinteressiert vernommen und beim Lesen des Promozettels erlebt man ein Déjà-vu nach dem anderen… Also einmal die Einleitung abkürzen und zur Sache Baby.

Musikalisch sieht der Künstler das ähnlich. Nach der kurzen Stille und den Begrüßungsworten „Well you ripped me apart like an old piece of paper. And I deserved it“ geht´s in die Vollen. Die gigantischen beiden ersten Stücke A Quest For Fire und The Blues and the Bee Sting setzen sofort Zeichen. Akustikgitarre, die übliche Stimme und ganz viel Spielfreude. Hier ist der Schwung, den man bei den letzten Alben des Schweden stellenweise vermisst hat, sofort zur Stelle. Große Gesten unprätentiös vorgetragen, das geht sogar tatsächlich auf. Mit verantwortlich sind diesmal neben der üblichen Bandbesetzung diverse Gäste wie die wundervollen Björn Kleinhenz und Linnéa Enochsson. Und eben dieses Teamwork hört man der Platte auch an.

Natürlich weht auch auf Hope On The Horizon immer wieder ein leises Elliott Smith-Lüftchen und ein ganzer Luftstrom der Bright Eyes bläst dem Hörer von Anfang an entgegen. Doch dies ist an dieser Stelle gut, da der Sound um eigene Ansätze erweitert wird und sich an keiner Stelle zu sehr an die Referenz anlehnt. Immer wieder ist es das Songwriting und der gute Song, der in den Mittelpunkt gestellt wird und dort fröhlich vor sich hin tänzelt. Das größte Zauberstück gelingt Boy Omega diesmal mit den wundervoll arrangierten Streicherparts, die den Hörer immer wieder an die Hand nehmen und ins Ohrwurm-Zentrum führen.

Nur selten schleicht sich so etwas wie Langeweile ein. Die gequält wirkenden Keep That Flame und Tonight I’m Swimming stehen als Ausfälle eigentlich recht einsam in einer Landschaft bewegender Pop-Hymnen. Zum Abschluss wird es nach dem fantastisch-ruhigen The Good Times noch einmal richtig dramatisch. Herzzerreissende Klänge gibt es da, die sich immer weiter steigern und mit ruhigen Passagen abwechseln. In der passenden Schlusssequenz im Film würde da wohl jemand im Schnee sterben. Irgendwo daneben die geliebte Frau, die seine Hand hält. Blut ist an ihren Handschuhen — im Schnee sowieso. Sie schreit. Das sieht man jedoch nur. Zu hören ist eben „True Haven“. Und am Ende plötzlich Stille.

[Sebastian Jegorow]

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