Xavier Rudd – White Moth



Seit dem letzten Deutschland-Release einer CD von Xavier Rudd ist nicht einmal ein Jahr vergangen. In Deutschland kam das eigentlich Ende 2005 veröffentlichte dritte Studioalbum des Australiers nämlich erst im August 2006 auf den Markt. Dank seiner Plattenfirma Anti braucht sich die deutsche XR-Gemeinde aber nicht mehr länger mit teuren und langwierigen Importen herumzuschlagen. Wie in Rudds Heimat und anderswo kam seine neue Scheibe „White Moth“ auch in Deutschland Anfang Juni raus. Der etwas mystisch anmutende Titel passt genauso zum kleinen Weltenbummler wie zu den 14 Songs der Platte.

Xavier Rudd ist erdverbunden, ein Familienmensch, offen und bodenständig. Vielleicht nicht im herkömmlichen Sinne, aber jeder der sich schon mal ein wenig mit ihm auseinandergesetzt hat, weiß was ich meine. Genauso geht er an seine Musik heran. Wer sich seine neue CD anhört und die alten bereits kennt, wird direkt einen großen Widererkennungswert vorfinden. Die Stimme, der Sound und schließlich die Rhythmen. Aber irgend etwas ist anders, irgend etwas hat sich bewegt und ergänzt den Sound um eine weitere Facette. Aber was? … Die Instrumentierung!

Anders als bei früheren Platten greift Rudd, der live grundsätzlich als One-Man-Band auftritt und mitunter mehrere Instrumente gleichzeitig spielt, bei diversen Songs auf eine Art herkommliche Backingband zurück. Wir hören ein normales Schlagzeug, eine Hammond-Orgel und andere Instrumente, auf die der Musiker in der Vergangenheit nicht allzu oft zurückgegriffen hat. Ich muss zugeben, als ich von diesem neuen Weg gelesen habe, hatte ich schon so meine Zweifel, ob das gut geht und sich da nicht vielleicht zu sehr an die breite Masse angebiedert wird. Alles Käse! Die Instrumentierung bringt definitiv frischen Wind rein und überraschte mich, wenn überhaupt, positiv.

Nun zu den 14 Stücken auf „White Moth“. Wie man das von Xavier Rudd bereits gewohnt ist bekommt der Hörer eine gutdosierte Mischung an verschiedenen Stilen, Tempi und Facetten des Australiers geboten. Ob fragile Singer/Songwriter-Nummer („Anni Kokoo“), eine stampfende Rudd-Hymne die förmlich durch Mark und Bein geht („Footprint“) oder obskure Weltmusik, die sicherlich nicht Jedermanns Sache sein wird („Message Stick“). Eintönigkeit kann man dem Blondschopf nicht vorwerfen. Bereits bei der ersten Single, „Better People“, macht Dave Tolley am Schlagzeug eine gute Figur und lässt auch über die komplette Länge des Albums nicht nach. Ein paar Leuten wird der Text wohl etwas zu gutmenschlich sein, aber so ist Xavier nun mal und man nimmt es ihm auch ab. Spaß machen auch die Reggae-Songs auf „White Moth“. „Twist“ und „Come Let Go“ sind Einladungen auf dem Silbertablett die Seele baumeln zu lassen. Nummern wie das bereits erwähnte „Message Stick“ oder „Whispers“ (beides mit kanadischer bzw. australischer Ureinwohnerunterstützung) sind mir persönlich jedoch zu nervig und zu ethnomäßig angehaucht. Zum Glück gibt es ja die Skip-Taste. Die Stärken liegen definitiv in ruhigeren Stücken wie „Choices“, „White Moth“ oder „Come Back“. Rudd mit diversen Gitarren, sehr dezenter Begleitung (wenn überhaupt) und seiner Stimme, da hört man gerne zu.

Erwähnen möchte ich besonders noch den Co-Produzenten der Platte, Dave Ogilvie (u.a. David Bowie, N.E.R.D.). Noch auf keinem Rudd-Album klangen die oftmals äußerst ungewöhnlichen Instrumente so glasklar und präzise wie auf „White Moth“. Ob Didgeridoo, Weissenborn, Stomp-Box oder Slide-Gitarre, alles hat seinen Platz und eine hervorragenden Position auf dem Soundteppich.

Ach ja, um noch kurz auf den Titel zurückzukommen. Den weissen Nachtfalter gab es wohl wirklich. Er verfolgte eins von Rudds Kindern an einem Familientag am Strand. In ihm vermutete die australische One-Man-Band einen verwandten Geist. Also ob in einem Münchner Backstagebereich (siehe Interview mit Rudd im SR #002), oder am Strand, die Geister sind Xavier Rudd wohlgesonnen. Das merkt man auch auf „White Moth“ und sicherlich ebenfalls im September, wenn der Musiker zum mittlerweile fünften Mal nach Deutschland kommt.
(Sascha Knapek)

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