Wheat – Everyday I Said A Prayer For Kathy…



Totgesagte leben länger, Und Wheat waren nicht nur für mich wahrlich gestorben. Lange Pause, Probleme mit Labels und die letzte Platte ein uninspiriertes Stück fröhlicher Scheiße. Die war schlecht. Und das von einer Band, die mir mit „Medeiros“ und „Hope & Adams“ zwei der besten Alben der 90er Jahre vor die Füße rotzte.

Stell dir vor du machst den Fernseher an und siehst wie deine geliebte Freundin bei der Loveparade barbusig auf einer Laterne sitzt und ihre Brüste im Rythmus der Westbam-Beats schwingt. So in etwa war das Gefühl, das mich durchfuhr, als ich dieses hochgeputschte Monster zum ersten mal „Per Second, Per Second, Per Second“ hörte. Selbst den Klassiker „Don´t I Hold You“ gab es auf dem Album in einer Deluxe-Variante, die nichts als Brechreiz hervorrief.

Zu verlieren hatten sie demnach nichts. Da könnte man auch ruhig in den 60 Minuten Mozarts Requiem in D-Moll rülpsen. Das Medien-Interesse wäre in etwa genau so groß wie jetzt. Und so kann man es sich mal eben erlauben die Musik zu zerstören, um sie im gleichen Moment neu zu erfinden. Das fängt bereits mit dem sonderbaren Titel an, der bereits seit etwa zwei Jahren auf der Homepage der Band stand. „Everyday I Said a Prayer For Kathy And Made a One Inch Square“ ist ein wildes Biest, dem dieses Kunststück gelingt. Orgeln, die typisch angezerrten Gitarren und ganz viel wüste Zerstörung, ohne dabei besonders laut zu werden. Auf großen Pop und Krach folgen bei „Little White Dove“ plötzlich A-Capella Vocals, die wie Instrumente immer weiter übereinander gelegt werden. Sex haben sie. Aber ganz wilden. Das reißt mit.

Dazu diese wahnsinnige Reise auf die Sie einen nehmen. „Everyday I Said A Prayer For Kathy“ klingt im Grunde genommen so, als hätte einer an dem dreckigen „Medeiros“ geschüttelt und würde nun staunend bewundern und sich amüsieren wie perfekt der Zufall die einzelnen Teile neu zusammengefügt hat. Melancholie, Frische, Rotz, unzählige Ideen und wohl dosierter Rock. Das abgedrehteste Stück ist „Saints In Law“. Durchschaubare Keyboard-Chöre gefolgt von Scott Levesques Stimme, die wie üblich bricht, strauchelt und dir mit viel Eifer den Muskel in der Brust in Stücke zerreißt. Danach die Epiphanie, sonderbare Geräusche und das Ende in reverse. Ein weiteres Highlight ist „An Exhausted Fixer“ mit dem packenden Sprechgesang und den treibenden Rythmen. Atemberaubend trifft es auf den Punkt.

Die Freundin von der Loveparade ist wieder da und ich singe ihr zu „You mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything you mean so much more to me than anything…“
(Sebastian Jegorow)

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