Uwe Timm – Der Freund und der Fremde


Der Student Benno Ohnesorg wurde bei einer Demonstration gegen den damaligen Schah von Persien am 2. Juni 1967 von einem Polizisten erschossen. Dies sorgte daraufhin für größere Unruhen und Proteste der Studenten. Uwe Timm schreibt hier über die Zeit vor und nach Benno Ohnesorgs Tod als ein Freund. In dem Roman wird die Vergangenheit des Erzählers und Benno Ohnesorgs beschrieben. Dabei lernen wir den Werdegang, die Begegnung und die Sichtweise der beiden zentralen Figuren kennen. Doch insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Tod des Freundes und den gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen steht hier im Vordergrund.

Das Nachspiel des zweiten Weltkrieges und daraufhin die Studentenproteste. Mit „Der Freund und der Fremde“ gelingt Uwe Timm das Bindeglied zwischen „Am Beispiel meines Bruders“ und dem „Heißen Sommer“. Das Porträt einer anderen verlorenen Generation. Hier sind sie, die Nachgeborenen, die versuchen einen Platz in der Welt, die Ihnen hinterlassen wurde, zu finden und sich dabei an der Philosophie und Literatur orientieren.

Das autobiographische Schreiben Timms besitzt, trotz aller persönlichen Schilderungen, wieder die übliche Distanz. Der Name Benno Ohnesorg, der in unserer Gesellschaft mit viel Bedeutung aufgeladen ist, wird selten genannt. Statt dessen spricht Timm stets von „dem Freund“. Immer wieder geht er ausführlich auf philosophische Modelle wie den Existenzialismus oder Camus Auseinandersetzung mit dem Absurden ein (der Titel ist eine Anspielung auf Camus Roman „Der Fremde“).

Mit „Der Freund und der Fremde“ gelingt Timm ein Spagat aus Belletristik, Geschichte und Philosophie. Ein interessante und lehrreiche Erzählung und ein weiterer Beweis seines Könnens.

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