Sieben Brüder



Ein leerer dunkler Raum dient als Kulisse dieses ungewöhnlichen Films von Sebastian Winkels. Einziges Requisit ist ein Stuhl, auf dem die im Filmtitel erwähnten sieben Protagonisten, die zwischen zwischen 1929 und 1945 geboren wurden, platz nehmen und abwechselnd von ihrem Leben erzählen. Allgegenwärtig sind zugleich 50 Jahre deutsche Geschichte. Aus dem Off erklingt weder Musik noch Kommentare. Kamerabewegungen gibt es keine. Die Erzählungen der Brüder werden lediglich von kurzen Titeleinblendungen unterbrochen.

Natürlich kreisen ihre Erzählungen immer wieder um den zweiten Weltkrieg. So geht es unter anderem um ihre Zeit als „Nazijugend“, über ihren Vater, der Soldat war, und um die Frage, inwiefern die deutsche Bevölkerung von KZ-Lagern bescheid wußte. Zugleich geht es jedoch auch um das Verhältnis zueinander, das Leben in einer Großfamillie und nicht zuletzt um Lebensziele und deren Verwirklichung.
Die Erzählungen der sieben Brüder leben insbesondere von kleinen Geschichten, die die Vergangenheit greifbar machen, ihr ein persönliches Gesicht verleihen, und die den Zuschauer bewegen. So beispielsweise bei der Erzählung über die letzte Begegnung mit der kranken Mutter oder die Rückkehr des Vaters als Soldat. Die Geschichten von der Kriegszeit vermitteln uns mit Sicherheit einen besseren Eindruck von dem zweiten Weltkrieg, als Statistiken in Geschichtsbüchern und Todeszahlen. Durch Sebastian Winkels Entscheidung den Film in einer Art Storytelling Unplugged darzustellen und die Erzählungen unkommentiert zu belassen regt zum Nachdenken an.

Der Betroffenheitsfilm kann einem, trotz aller Sensibilität und der „Gegen das Vergessen“ Schreie, in den letzten Jahren mächtig auf den SIEBENBRÜDERSenkel gehen. Die nicht zu Enden wollende Welle an deutschen Filmen um den zweiten Weltkrieg ist längst zu einer nervigen Angewohnheit geworden, die den Bogen der Sensibilität überspannt. Der Film „7 Brüder“ ist dabei eine Ausnahme. Er verbindet auf eine faszinierende Art und Weise Geschichte mit wahren Geschichten und Schicksalen. Ein Zeitzeugnis.
(Sebastian Jegorow)

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