John Butler Trio – Grand National



Zusammen mit seinen zwei Mistreitern, Schlagzeuger Michael Barker und Bassist Shannon Birchall, hat Sänger John Butler mit erstmaliger Unterstützung des Produzenten Mario Caldato Jr. drei Jahre nach dem großartigen rock- und folklastigen Sunrise over Sea sein neustes Album Grand National veröffentlicht. Auf diesem Album zeigt John sich von einer neuen Seite. In seinem Song Funky Tonight schwört John lauthals, dass “you and me gonna get funky tonight!” Und es stimmt: ein bisschen mehr Funk. Ein bisschen mehr gute Laune. Und doch Lieder über die Liebe. Zur Aufwärmung bekommt man mit Better than einen gutgelaunten, locker-flockigen, von Johns Banjo dominierten Song zu hören.

Auch bei Good Excuse geht´s munter weiter. Während John sein imaginäres Gegenüber dessen Missmutigkeit wegen zusammenscheißt und es dazu auffordert mal einen Schritt nach draußen zu setzen, um zu sehen, „what´s shaking in the real world“, kommt beim John Butler Trio erstmals eine Hammond-Orgel zum Einsatz, was dem Song zusammen mit den leichten Gitarrenakkorden und dem das Tempo vorgebenden Bass durchaus Ohrwurmpotential verleiht. Doch auch Johns Ehefrau kommt diesmal nicht zu kurz. Der Song Daniella ist, wie der Name schon verrät, ihr gewidmet. In diesem Song schmeißt Butler mit Komplimenten an Daniella nur so um sich. Der Balzgesang Butlers wird eingeleitet durch eine Mundharmonika und einer Art Beatbox, von welchen der Song durchgehend unterlegt wird. Der Beatbox entsprechend, bietet John seinen Text auch in rapanmutender Form dar. Zwischendrin kommt Daniella – und zum Glück auch dem Hörer – zum Ausdruck Butlers tiefster Zuneigung ein Gitarrensolo zu, das es in sich hat. Und es mag so manchen Mann geben, der ins Stottern kommt, wenn er um die Hand einer Frau anhält, aber keiner wird es so lässig und dennoch überzeugend hinkriegen wie Butler.

Losing You, auch seiner Frau gewidmet, ist ähnlich wie Peaches and Cream ein minimalistischer, nur von Johns Gitarrenspiel begleiteter Song. Und ebenso wie Peaches and Cream ist dieser Song gerade aufgrund seines einfachen Arrangements sehr authentisch und eingängig.
Vom minimalistischen Song über zu einer guten Portion Theatralik geht es mit Caroline. Hier hat sich John zur Verstärkung ein paar Streicher ins Studio geholt. Für einige dürfte dieser Ausflug auf neues Terrain ein – natürlich verziehener – Fehltritt sein, für andere ein gelungener Versuch mit Ausbaupotenzial.
Doch es würde sich bei diesem Album nicht um eins von John Butler handeln, wenn es nicht mindestens einen gesellschafts- oder regierungskritischen Song in typischer John Butler Trio-Manier gäbe: dröhnende, etwas aggressivere Gitarren und treibende Drums. Devil Running ist so einer. Bei diesem mitreißenden Song hat Butler seine „normale“ Gitarre beiseite gestellt und schrammelt sich auf einer E-Gitarre und mit wütender Stimme durch den Song – und verabschiedet sich zum Ende mit einem saftigen Gitarrenriff.

Auch bei Gov did Nothin` gibt’s hausgemachte Butler-Gitarrenklänge, während Butler das Verhalten der US-Regierung nach dem Wüten des Hurricanes Katrina im Süden des Landes moniert. Zur Hälfte des Songs beginnt eine Slide-Einlage Butlers, welche man getrost als genial bezeichnen könnte, wenn sie nicht von einem theatralischen Frauengesang begleitet werden würde, durch den man sich peinlich berührt an Michael Jacksons Earth Song erinnert fühlt. Doch, wie gesagt, sowohl Butlers Solo als auch ein absolutes Novum beim John Butler Trio – eine Big Band-Einlage mit Trompeten, Oboen, Klarinetten und allem was so zu einer Big Band dazu gehört, machen dies wieder gut.

Fire in the Sky tarnt sich anfangs in instrumenteller Hinsicht durch zurückhaltende Drums, lockeres Gitarrenspiel und einer „freundlichen“ Stimme Butlers als fröhliche Uptemponummer. Doch schnell wird durch den Text deutlich, dass es um mehr geht. Butler thematisiert die Auffassung von Frieden in einer Welt nach dem 11. September 2001 und kommt zu dem Schluss, dass the whole goes mad. Zur musikalischen Unterstreichung dieses „verrückten“ Zustandes darf Michael Barker zwischendurch dann ordentlich sein Schlagzeug malträtieren und auch John kompensiert seine Wut an seinen Saiten.

Mit Grand National haben die Jungs vom John Butler Trio was Neues ausprobiert. Neue Instrumente, ein bisschen Hüftschwung. Aber genauso haben sie ihren altbewährten Stil beibehalten. Grand National überzeugt. Und das auch ganz ohne Koksskandale, Augenringe und andere Eskapaden.
(Vera Hölscher)

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