Joe Purdy – Julie Blue


Joe Purdy

Wenn ich die Musik von Joe Purdy beschreiben müsste, würde ich sie als Singer/Songwriter-Lo-Fi-Pop bezeichnen. David Gray trifft Lou Barlow. Im Bezug auf seine neueste CD Only Four Seasons passt dieser Rahmen zwar nicht mehr zu 100%, im Falle des mir vorliegenden Albums perfekt..

Sein viertes Studioalbum Julie Blue aus dem Jahr 2004 stellt dem Hörer in elf Kapiteln vor, zu was Joe Purdy innerhalb von noch nicht einmal einer Woche fähig ist. So lange dauerte nämlich der Schreib- und Aufnahmeprozess. Joe Purdy veröffentlicht seine Alben unabhängig. Er ist bei keiner großen Plattenfirma und bekommt dicke Budgets für Plattenaufnahmen und Studiozeit zur Verfügung gestellt. Umso ungewöhnlicher ist es, dass ein Song eines solchen Außenseiters im Popzirkus bei einer aufwendig produzierten Mainstream-TV-Serie zu hören ist. So geschehen bei Joe Purdy. Der Opener von Julie Blue namens Wash Away lief in einer Folge der amerikanischen Hit TV-Serie Lost und präsentierte Joe damit sicherlich einem Publikum, das ihn sonst wohl nicht entdeckt hätte.

Durch alle Songs auf Julie Blue zieht sich ein roter Faden. Seien es Themen die grob mit Wasser und Flüssen zu tun haben, alten und neuen Lieben oder einfach die Stimmung, die von Songübergang zu Songübergang perfekt passt. Ausgereifte Tracks wie Skinny Dippin Girl, Wash Away oder das träumerische I Love The Rain The Most stehen groben, kleinen Songs wie River Boat Captain oder Mary gegenüber. Aber mit diesen scheinbar nicht zu Ende gedachten Songideen steht und fällt die Platte. Also eigentlich steht sie nur. Denn zu ahnen wie Purdy die Einfälle zu den Songs hatte, nicht lange zögerte und diese Einfälle unverfälscht aufnahm, kann den Hörer in den Bann ziehen. Unverfälscht, nicht überproduziert sind passende Adjektive. Echt wäre ein weiteres.

Hauptsächlich instrumentiert Purdy seine Songs auf Julie Blue mit Akustikgitarren. Oft auftauchende Bluegrass-Momente verleihen der Musik etwas Aufmerksamkeitsgebendes. Erwischt man sich bei Akustikgitarren doch durchaus einmal beim Vorbeihören, hört man bei diesen ungewöhnlicheren Klängen von Whiskey & Fish oder Wash Away (Reprise) genauer hin. Amerikaner und ihre Flüsse. Was für Mark Twain der Mississippi, war bei den Aufnahmen zu Julie Blue für Joe Purdy ein Fluss im Bundesstaat New York. Die Muse. Doofes Wort. Aber es passt und mir fällt gerade kein besseres ein. Ob das vielleicht am fehlenden Fluss vor meiner Haustür liegt? (Sascha Knapek)

Hier geht es zur Joe Purdys Myspace-Seite.

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