Jale



Jale. Wer Jale kennt bitte die Hände heben. Kein Schwein? Na okay. Jale kommen aus Kanada, Halifax um genau zu sein. Ah ja, jetzt hören schon mehr Leute zu, nehme ich an. Kanada. Musik aus der Gegend ist momentan schwer angesagt.

Jale kam dieser Status des „Angesagtseins“ leider nie zuteil, denn die Welt ist ungerecht. Die Band löste sich nämlich in grauer Web 2.0- und MySpace-Vorzeit auf und hat heutzutage noch nicht einmal die obligatorische eigene Homepage.
1992 gegründet und 1996 aufgelöst, haben Jale knapp vier Jahre „Bandgeschichte“ vorzuweisen. Zwei Alben (Dreamcake und So Wound), eine EP (Closed) und eine handvoll Singles sind das musikalische Vermächtnis. Die Namen der Bandmitglieder hier vorzustellen ist relativ witzlos. Interessanter ist wohl eher die Tatsache, das es sich, bis auf die Position des immer wechselnden Drummers, um eine Frauenband handelte. Wieso muss man das extra erwähnen? Keine Ahnung, aber es ist doch ganz nett zu wissen und der oft mehrstimmige Damengesang ist einfach zum Verlieben. Jale-Platten erschienen seinerzeit bei Sub Pop. Ja genau, dass Grunge-Label aus Seattle. Die Holzfällerhemden waren tot und mit Bands wie Eric’s Trip, Sebadoh oder eben Jale wurde Mitte der 90er Jahre versucht eine neue Indiesparte aufzumachen. Jale spielten zuckersüßen Pop mit verzerrten Gitarren und Texten, die sich um etwas orientierungslose Jungerwachsene drehen bzw. von solchen verstanden werden. Den Alben hört man nicht an, dass sie über zehn Jahre alt sind, zeitlose Musik für den Frühsommer (insbesondere das Album So Wound).

Es ist bewundernswert wie viele neue und aktuelle Bands von Jale und anderen Bands der Mitt-90er (erinnert sich noch jemand an Superchunk, Seam oder Codeine?) beeinflusst wurden, ohne es wahrscheinlich gemerkt zu haben. Der Vorreiter hat es nicht immer leicht und verbrennt oft schneller als eigentlich nötig. Das Schicksal der frühen Geburt. Jale aber für einige Zeit aus dem Grab zu befreien und den Frühling mit den Damen willkommen zu heißen ist allemal mehr als angesagt, gerade weil sie mit dem derzeitig nervenden Ahorn-Hype so rein gar nichts zu tun haben.
[Sascha Knapek]

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