Herman Dune – Giant



Einem Herman Dune Fan mangelt es nicht an Herausforderungen. Zwei Brüder (André, David-Ivar) und eine Schwester (Lisa) mit dem Nachnamen Herman Düne (aber jetzt scheinbar nur noch Herman Dune, wobei sich bereits da die Geister scheiden). Dazu ein guter Freund (Néman) und einige Gäste (zum Beispiel die liebliche Julie Doiron beim Vorgänger Not On Top). Alle aus Schweden (bis auf die Gäste), momentan jedoch eher Paris und scheinbar ist Bruder André vorerst nur noch Solo und eher in Berlin zuhause (sagt er). Oder so ähnlich. Globales Dorf eben. How much difference does it make?

Bei der ungewöhnlichen Bandzusammensetzung mit all den Klammern durchzublicken ist noch die einfachere Aufgabe. Jedoch die gesamten Alben und Eps aufzulisten? No Way, dude! Da muss man schon auf komplexe Mnemotechniken zurückgreifen, sich die Sachen auf die Hand kritzeln (sofern da so viel Platz ist) oder eben ein ganz großer Fan sein, um die Platten und Kollaborationen mit Musikern wie Julie Doiron oder Kimya Dawson zu überschauen und nichts auszulassen. Insbesondere bei Andre Herman Dune ist der komplette musikalische Output im EP-Format eine völlig schräge Sache und bietet an sich genug Material, um die Cover der EPs von Panini als Sammelbilder vertreiben zu lassen. Songs, die in einer schwedischen Sauna oder an einem einzelnen Nachmittag in Paris entstanden sind, eine EP mit Dido-Coverstücken und unzählige andere Schönheiten gibt es da zu hören und sortieren.

Zumindest ist die Musik selbst völlig zugänglich für Mr. und Mrs. Jederman. Da gibt es von Herman Dune lockeren Folkpop/Antifolk, der mal an die Beach Boys und mal an die Mountain Goats erinnert. Akustikgitarren, Bonbo-Trommeln, Gesang, gelegentliche Bläseransätze und die zuckersüssen Backing Vocals. Dies erfordert dann auch nur ein offenes Ohr. Oder eben zwei, denn hier gibt es den gesamten Herman Düne-Clan zu hören und das sogar in einer Sound Qualität, die sich von der Qualität der Lo-Fi-Vorgänger abhebt. Das Wörtchen STEREO steht stolz auf der Vinyl-ähnlichen CD. Etwas Retro musste dann scheinbar zumindest optisch sein. Und was die Gebrüder und Geschwister da im neu entdeckten STEREO hinzaubern, könnte in einem akustischen Wörterbuch als Definition des Wortes ZAUBERHAFT durchgehen.

Alles scheint wie aus einem Guss. Lebte der Vorgänger noch hauptsächlich von absoluten Hits wie Not On Top oder dem unvergesslich tollen This will never happen, so macht es diesmal die gesamte Masse an Pop-Perlen aus. Nach einigen Durchgängen setzen sich jedoch auch hier die Favoriten langsam durch und der Finger greift am Ende von Take him back to New York City und I wish that I could see you soon besonders häufig zur Skip-Back-Taste. Hier. Doch auch nach tagelangem Hören wird hier nichts langweilig und ständig entdeckt der Hörer neue Details. Und eben diese Details sind es, die Giant so wertvoll machen. An jeder Ecke lauert ein kleiner Glücksmoment, der den Hörer beim Aldi an der Kasse oder in sonstigen traurigen Momenten des Alltags überraschend anspringt. Allein diese liebevollen „come on Andre“ Überleitungen, mit denen David Ivar die verspielten Soli seines Bruders ankündigt! Das hat Charme und ist ZAUBERHAFT!
Also: STEREO + ZAUBERHAFT = GIANT.
(Sebastian Jegorow)

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